The Carolingian – culture, arts, æsthetics



Narziss in Madrid


Narziss in Madrid
Pedro Calderón de la Barca hat den Stoff für Eco y Narciso dem dritten Buch der Metamorphosen Ovids entnommen. Calderón eignet sich diese Vorlage an und transformiert sie vollständig.




2021 II


Narziss in Madrid: Calderóns Eco y Narciso und Ovid

Calderóns Eco y Narciso zählt nicht zu den Werken des Dichters, die sich einen Platz auf deutschsprachigen Bühnen errungen haben. Christoph Wurm


Singing Speech and Speaking Melodies in the 18th and 19th centuries

This volume investigates a series of musical theatre genres in which singing and declamation intertwine. Maria Encina Cortizo | Michela Niccolai


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The contributions from the last edition are still available. This is a good chance to read them if you haven’t yet. The Carolingian








Folium II, 2021 II





Narziss in Madrid

CALDERÓNS ECO Y NARCISO UND OVID

Christoph Wurm

chrwurm@aol.com | christophwurm.de


Narziss in Madrid

ARTICLE



Calderón lesen

Pedro Calderón de la Barcas (1600-1681) Eco y Narciso (1661)1 zählt nicht zu der Handvoll Werke des Dichters, die sich einen Platz auf deutschsprachigen Bühnen errungen haben, aber es gehört zu den bekannteren seiner Stücke.2 Es verdient die Lektüre. Schon seit dem frühen 19. Jahrhundert hat sich eine merkwürdige Regel etabliert: Die über Calderón schreiben, häufen mit aufdringlicher Vorhersagbarkeit rühmende Superlative auf des Dichters Haupt3 – gelesen dagegen wird er weniger. Was bedauerlich ist, sofern wir den Worten Dorothea Tiecks etwas abgewinnen können, die Cervantes und Calderón auf kontroverse, hyperbolische, erfrischend eigenwillige Art gewürdigt hat: „Das sind zwar alberne, dumme, gotteslästerliche, geschmacklose Katholiken, aber doch keine üblen Dichter.“4



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Calderón und Ovid

Den Stoff für seinen Dreiakter hat Calderón dem dritten Buch der Metamorphosen Ovids (V. 339-510)5 entnommen, einem Werk, das in zahlreichen volkssprachigen Übersetzungen vorlag6 und so einem Großteil des Publikums vertraut war. Er hat sich häufiger Motive und Stoffe Ovids zu eigen gemacht, nicht nur für seine mythologischen Stücke, sondern auch in den Fronleichnamsspielen (autos sacramentales), etwa in El divino Orfeo.7 Der bunt-bizarre Kosmos Ovids musste seine Anziehungskraft auf die Imagination Calderóns ausüben, in dessen Werk Märchenhaftes, Unwahrscheinliches, Unerklärliches allgegenwärtig ist8 – so wie in den Metamorphosen.



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Und gewiss schlug auch die Verskunst des Ovid den wegen seiner „funkelnden Diktion“9 bewunderten Dichter in ihren Bann. Calderóns Klangfülle, seine eigenwillig-überbordende Bildersprache, der syntaktische Wagemut – weit über die Restriktionen der spanischen Normalsprache hinausgreifende Hyperbata –, das sind Qualitäten, die auch Eco y Narciso zum Lese- oder Hörgenuss machen, wie die wenigen in diesem Aufsatz gebotenen Exzerpte belegen mögen.



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Ovid hatte in seiner Erzählung die Geschichte des Narcissus und die der Echo in eins gefasst, jener Nymphe, die von Juno mit dem Verlust eigenen Sprechens bestraft wurde, weil sie geschwätzig die Eskapaden von Junos Ehemann Jupiter gedeckt hatte. „Ovid is the only writer to associate her with Narcissus; whether this was his own idea or due to some Hellenistic source cannot be determined“.12

Prunk und Rost

Am 12. Juli 1661 wurde das Stück uraufgeführt, im Madrider Palacio del Buen Retiro,13 zur Feier des zehnten Geburtstages der Infantin, späteren deutschen Kaiserin Margarita Teresa (1651-1673). Zehn Jahre alt und schon seit Jahren unsterblich: als Mittelpunkt von Diego Velázquez‘ Las Meninas (1656).



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Calderóns Stück entstand in seiner letzten Schaffensphase, nach seiner Priesterweihe 1651, in der er ausschließlich Fronleichnamsspiele und mythologische Stücke schrieb. Die Aufführungen dieser mythologischen Festspiele (fiestas), „verdaderas fiestas para los sentidos“,14 dienten zur glanzvollen Selbstversicherung der spanischen Monarchie in der Epoche des Niedergangs ihrer Macht und des Rostens ihres Renomees; ein perfekt barocker Gegensatz zwischen Sein und Schein.15 „This was the era of ostentatious magnificence in court theatre“.16 Ein Musterbeispiel ist die letzte Szene von Eco y Narciso mit ihren melodramatischen Effekten. Aus erhaltenen Rechnungsbelegen geht hervor, dass das Aufgebot an künstlerischem Personal und Handwerkern bei diesen Aufführungen riesig war.17 Anlässlich besonders glanzvoller und kostspieliger Fest-Veranstaltungen 163718 kommentierte ein Chronist:



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„Die, die vorgeben, es ganz genau zu wissen, sagen, dass eine derartig große Veranstaltung noch einen anderen Zweck gehabt habe als den der Erholung und des Zeitvertreibs, dass sie auch eine Machtdemonstration gewesen sei, damit der Kardinal Richelieu, unser Freund, wisse, dass noch genug Geld auf der Welt sei, um es dafür auszugeben, seinen König zu züchtigen.“



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Von Böotien nach Arkadien

Das Stück spielt nicht, wie Ovids Geschichte, in Böotien (Met. V. 339), sondern unter Hirten Arkadiens. Nach Pausanias IX. 31,7-9 befand sich die Quelle des Nάρκισσος bei dem Flecken Donakon (Δονακών) im Gebiet von Thespiai (Θεσπιαί) im südlichen Böotien. „Durch und durch naiv“, so bemerkt der prosaische Pausanias, sei die Sage in der bekannten Version, τοῦτο μὲν δὴ παντάπασιν εὔηθες. Denn wer alt genug sei, sich zu verlieben, könne unmöglich unfähig sein, ein Spiegelbild von einer realen Person zu unterscheiden, ὁποῖόν τι ἄνθρωπος καὶ ὁποῖόν τι ἀνθρώπου σκιὰ διαγνῶναι. Eine alternative, glaubwürdigere Version erzähle, so Pausanias, Narziss habe sich in seine exakt gleich aussehende und sich gleich



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kleidende Zwillingsschwester verliebt. Nach deren Tod habe der Blick in die Quelle seine Trauer um die Geliebte gelindert, εἶναι δέ οἱ (…) ῥᾳστώνην τοῦ ἔρωτος. Denn den Nάρκισσος, der sich durchaus im Klaren war, sein eigenes Spiegelbild zu sehen, habe die Vorstellung erfreut, die geliebte Schwester vor Augen zu haben.

Eine Metamorphose

Kühn hat Calderón sich seine Vorlage angeeignet, sie vollständig transformiert. Übernommen sind im Wesentlichen vier Bausteine: die Selbstliebe des Narcissus und das Stammeln der Echo, seine Metamorphose in eine Blume, ihre Auflösung in Luft. Diese Motive hat Calderón in ein in mehrfacher Hinsicht komplexeres eigenes Werk



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eingefügt. Er konnte sich sicher sein, dass der Erfolg seines Stückes von dem kreativen Umgang mit dem Ovid-Text abhing.

Die Hirten feiern den Geburtstag der von allen begehrten schönen Hirtin Eco, ein am Anfang des Stückes (V.21-26) gegebener deutlicher Hinweis auf den realen Anlass der Aufführung des Stückes. Durch Zufall stößt einer von ihnen, Anteo, auf die im Wald mit ihrem Sohn Narziss in einer Grotte verborgen lebende Liríope, Tochter des Sileno. Der Vater des Narziß ist nicht, wie bei Ovid, der Flussgott Cephisus, der die Wassernymphe Liríope in einer Flussbiegung vergewaltigte, sondern Zephyrus, der denselben Namen wie sein Vater tragende Sohn des Windgotts Zephyrus (Céfiro), der sie in die Lüfte entführte.



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Calderóns Schilderung ist gerühmt und in ihrer dichterischen Kraft hoch über die untypisch wortkarge Passage des Ovid (Met. V. 341-344) gestellt worden:20



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„Eines Nachmittags kam Zephyr zu mir und schlang sich um mich, so wie der Efeu um die Mauer, so wie die Weinranke um die Ulme. Er sagte: Was meine Gaben nicht vermochten, vermögen sollen es meine Gewalttaten. Und in diesem Augenblick, ach, riss der Westwind uns beide mit so sanfter Bewegung fort, dass ich mich ohne Flügel durch die Wolken fliegen sah, denn er, als sein Vater, lieh Zephyr seine Flügel, um ihn nicht vor Liebe sterben zu sehen. Seht, was für ein gemeines Mitleid! Wer sah je ein solches Liebeswerben? Nun, schon waren wir dabei, davonzufliegen, wie das ängstliche Rebhuhn in den Krallen des Habichts, der Reiher in denen des Jagdfalken.“

Liríope erklärt den Hirten ihre Geschichte, ist wieder mit ihrem Vater vereinigt, und ihr Sohn Narziss sieht sich



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erstmalig anderen Menschen gegenüber,22 darunter Eco, die sich in ihn verliebt, eine Liebe, die Narciso erwidert – bis er in der Quelle eine Nymphe von noch größerer Schönheit zu erblicken meint.

Liríope, Regisseurin des Stücks

Die wichtigste Änderung gegenüber Ovid betrifft die Rolle Liríopes. In den Metamorphosen bleibt sie eine Randfigur, die nur kurz erwähnt wird, und zwar als Mutter des Narcissus und als Empfängerin der Weissagung des Tiresias, Narziss werde ein langes Leben haben, „wenn er sich nicht erkenne („si se non noverit“, Met. V. 341-350). Damit scheidet Liríope aus der Geschichte aus.



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Bei Calderón dagegen ist sie die Regisseurin. Sie leitet alles in die Wege, um ihren Sohn zu retten, und erreicht das genaue Gegenteil. Sie verbarg Narcissus und lebte mit ihm in einer Gebirgshöhle, um ihn vor dem Eintreten der, von Calderón umgestalteten, Prophezeiung des Tiresias zu schützen:

„Eine Stimme und eine Schönheit werden sein Ende fordern, während er liebt und verabscheut. Schützʼ ihn vor Hören und Sehen.“



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Die dominante Liríope hat ihn so von der Wirklichkeit abgeschirmt, dass dem weltfremd-unselbständigen Narciso das Alltags-Phänomen des Spiegels unvertraut ist;23 Eco fasst ihre Verwunderung in das aperçu: „… con ser tanta mi pena,/Aun es mayor tu ignorancia“ (V. 2689f.) – „So groß meine Qual auch ist, größer noch ist dein Nichtwissen“.

Auf Liríopes Rat hin (V.2342) ist er dem Tal entflohen – und so zu eben jener verhängnisvollen Quelle gelangt. Schließlich: Liríope ist es, die die Stimme des Mädchens verstümmelt hat, das frühzeitig den Geliebten hätte aufklären können, bevor er sich ganz in die wahnhafte Anziehungskraft seiner eigenen Schönheit hineinsteigert. Als Liríope selbst ihm erklärt, dass er sein Spiegelbild liebt, eine Erkenntnis, zu der bei Ovid Narziss selbst gelangt,



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ist es zu spät. Die Einsicht vermag weder bei Calderón noch bei Ovid dem fortgeschrittenen Wahn ein Ende zu setzen:

„Der da bin ich: Ich habe es gemerkt, mein eigenes Bild täuscht mich nicht! Ich bin von Liebe zu mir selbst



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entbrannt, die Flammen rufe ich zugleich hervor und bin von ihnen erfasst. Was soll ich tun? Soll ich mich bitten lassen oder soll ich bitten? Um was denn? Was ich begehre, ist hier an mir selbst, mein Mangel ist Fülle.“



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„Der Himmel helfe mir! Ich selbst bin es, der eine so seltene Schönheit besitzt? Und der, ach!, sie zwar besitzen darf, aber nicht danach trachten darf, sie sein Eigen zu nennen? Ihr Himmel, ist das so?“

Liríopes Fixiertheit auf das Eigene wird nicht von Narciso übertroffen. Sie denkt ausschließlich an ihr ,Spiegelbild‘, ihren Sohn. Sie ist genauso unfähig wie er, sich von dieser Fixiertheit zu lösen. Ihr Vater Sileno spielt nach dem Wiedersehen für sie keine Rolle mehr, wird von ihr nicht mehr erwähnt. Narciso gehört ihr allein:



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„Als die Umstände sie dazu zwingen, sich ins Tal zu begeben, da Anteo sie gegen ihren Willen dorthin gebracht hat, akzeptiert sie das Unvermeidliche, verhängt jedoch eine strikte Überwachung über den Sohn. Als sie die Zuneigung Narcisos zu Eco bemerkt, versucht sie, ihr entgegenzuwirken.“24

Im Gegensatz zu Ovids Echo ist Eco uneingeschränkt kommunikationsfähig, und erst gegen Ende des Stückes, im dritten Akt, wird sie ihrer Sprache beraubt. Liríope ist es, die, einst unschuldiges Opfer, jetzt skrupellose Täterin, aus Angst vor den Worten des Tiresias ein Gift ausstreut. Es beraubt Eco der Fähigkeit zu eigenem Sprechen – und damit der Möglichkeit, Narciso zu warnen:



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„Eco ist es, deren Stimme und Schönheit offensichtlich die beiden Gefahren für ihn sind. Zerstören wir also die eine Gefahr, damit die andere unvollkommen zurückbleibt.“

Der Untergang der beiden ist das Ergebnis von Liríopes Versuch, dem Schicksalsrad in die Speichen zu greifen, wie sie selbst am Ende des Stückes bilanziert (V. 3221-3226).



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Barocke Feinheiten

Calderón hat den von Ovid übernommenen Stoff in kunstvoll-barocke Ziselierungen verästelt. So schaut etwa nicht nur Narziss in das Quellwasser, sondern danach auch die sich über seine Schulter beugende Eco, und Narziss begreift nicht: Wie kann sie an zwei Orten zugleich sein, vor ihm und neben ihm? Und auch Bato, der Hanswurst des Stückes, wirft einen Blick auf das eigene Spiegelbild. Durch diese Kunstgriffe gewinnt Calderón spielerisch Ovids Motiv des trügerischen Spiegels neue, für das Theaterpublikum höchst unterhaltsame Variationen ab. Großen Raum nimmt das Liebeswerben der drei pastores galanes Febio, Silvio und Anteo ein, das bei Eco ohne Erfolg bleibt. Die Liebe der Hirten, ihre Qual, ihre Versuche, einander auszustechen, sind in Verse von lyrischem Wohlklang gekleidet.



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Freiheit und Unfreiheit

Scharfe Kontraste prägen das Stück: Liebe und Zurückweisung, Erkenntnis und Verblendung, Glück und Unglück.25 Der ungehobelte payaso Bato kontrastiert mit den liebestrunkenen pastores galanes und den zagales. Immer wieder führen seine komischen Zwischenbemerkungen und Kommentare die Dinge zurück auf den flachen Boden materieller Tatsachen. Charles V. Aubrun hat zu den Personen des Stückes angemerkt:



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„Hüten wir uns davor, in Calderóns Personen gereinigte Bilder von Menschen, Charakteren oder Typen zu suchen. Jeder von uns ist zugleich Narziss, Echo, Liríope: galant wie ein Schäfer, zärtlich oder grausam wie eine Schäferin, rüde wie der ungehobelte Bato.“

Der Gegensatz Freiheit – Unfreiheit prägt das ganze Stück, das gerahmt wird von zwei großen, aufeinander bezogenen monologischen Klagen über die Unfreiheit: die Klage des in der Grotte eingekerkerten Narciso zu Beginn des Stückes (V. 233-291) und der innere Monolog der durch den Sprachverlust gefesselten Eco gegen Ende (V. 2803-2834).

Narciso, der sich danach sehnt, in der Welt die Chancen neu gewonnener Freiheit zu erproben, ist am Schluss ganz



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auf sich selbst zurückgeworfen. Eco, zu Beginn Mittelpunkt der Welt der sie umschwärmenden Hirten, die in Narciso den ersehnten Geliebten gefunden zu haben meinte, ist am Ende ebenfalls isoliert. Dort will sie sich verbergen, wo Narziss gefangen war, in den Grotten der Berge:



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„Nie werden menschliche Wesen mein Antlitz sehen. Die Wohnungen werde ich meiden, in die schroffen Berge gehen und die tiefsten Gewölbe bewohnen.“

Während Narciso und Liríope parallelisiert sind, sind Narciso und Eco kontrapunktisch aufeinander bezogen. Narcisos Fixiertheit auf das Eigene steht komplementär Ecos zerstörerischer Selbstentäußerung gegenüber. Denn bei beiden ist, wie bei Ovids Echo und Narcissus, die Balance zwischen Innen- und Außenwelt gestört. „Narcissus exemplifies pure self-hood or selfishness, just as Echo represents pure otherness; neither condition is truly or wholly human.“27



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Sein und Schein

Ein weiteres Hauptthema ist der Kontrast Schein – Sein, eines der großen Anliegen des Barock also. Auch dieses Thema durchzieht das ganze Stück. Das wilde Tier, vor dem die Hirten sich fürchten, entpuppt sich als Mensch, als die fellbedeckte Mutter des Narziss, der „Kristallpalast“ „cristalino alcázar“ (V. 2670) des Narziss ist eine schlichte Quelle, und die Nymphe, die er in ihr erblickt, sein eigenes Antlitz. Eco ist am Ende nur Stimme, kein Leib. Auf die Spitze treibt Calderón dieses Prinzip, als selbst Bato sich beim Blick in das Wasser täuschen lässt:



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„Ich komme mit reichlich Furcht und reichlich Scham, denn ich komme zum ersten Mal zu einer Quelle, so stark hat es mir stets vor dem Wasser gegraust, und so treu bin ich dem Wein geblieben. (Er besieht sich in der Quelle). Welch‘ ganz verwünschtes Nymphengesicht! Mein eigenes kann nicht schlimmer sein, nicht einmal genauso schlimm.“

Plan und Schicksal

Liríope:



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„Alle Mittel, die ich heute einsetzte, um die Anstrengungen des Schicksal zu stören, haben diese nur gefördert.“

Kalkül und Vorausschau sind unmöglich in einer Welt trügerischen Scheins. Narcisos Protektion durch Liríope ist es, die seinen Untergang herbeiführt. Die Gefahrenquelle ist lokalisiert, es gilt nur noch, sie auszuschalten: die völlig unschuldige, Narciso liebende Eco. Sileno weiß von Liríope (V. 843-46) um die Warnung des Tiresias, aber keine Vorahnung, keine Befürchtung für den Enkel trübt seine Freude.28 Alle um Liebe Werbenden, Febo, Silvio, Anteo, genauso wie Eco, sehen sich in ihren Hoffnungen enttäuscht. Am Ende bleibt nicht eine Person, deren Pläne und Hoffnungen nicht zertrümmert wären. Ein weiteres der zentralen Themen des Stückes ist also die Unfähigkeit



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des Menschen, planend den Fügungen der Götter zu entgehen, also Gottes, „le Dieu caché qui hante toutes les comédies mythologiques de Calderón“29 – „des verborgenen Gottes, der alle mythologischen Stücke Calderóns heimsucht“. Calderón, Philosoph und Theologe, stellt uns, wie schon sein zeitgenössisches Publikum, vor ein unlösbares Problem. Die Irrtümer der Protagonisten sind, wie Felipe B. Pedraza Jiménez zu den Dramen Calderóns angemerkt hat, „hechos de la misma materia humana – sublime y deleznable – que los del espectador“30, „aus demselben menschlichen Stoff – erhaben und zerbrechlich – gemacht wie die Fehler des Zuschauers“. Wie gilt es denn – oft unter Zeitnot, auf stets lückenhafter Informationsbasis – zu planen und zu handeln, wenn die Folgen unabsehbar



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sind? Der einflussreiche Sozialethiker und Theologe Oswald von Nell-Breuning war es, der dieses Problem in all seinen Facetten und Konsequenzen für den Bereich beleuchtet und erörtert hat, wo Entscheidungen die Höchstzahl an Menschen betreffen: die Politik. Die tröstliche Antwort des Theologen: Gott überbürdet uns nicht; mehr, als nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, verlangt er uns nicht ab.31

Botschaft an die Infantin

Diesem Sinne dürfte auch die intendierte Botschaft des Stückes an die Infantin und spätere Herrscherin entsprochen haben: Handle überlegt und gewissenhaft, das Unvermeidliche aber nimm hin.



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Die Intention galt kaum, wie etwa von Strosetzki vertreten worden ist,32 der schmalen Nische ihres Individuallebens. Alle Warnungen an die Infantin etwa vor den Irrungen und Wirrungen der Leidenschaft, davor, sich in eine Person niederen Standes zu verlieben oder gar den höfischen Verpflichtungen den Rücken zu kehren,33 erübrigten sich. Solche Warnungen waren irrelevant, denn ein selbstbestimmtes, selbstverantwortetes Liebesleben war für das Mädchen nicht vorgesehen. Es war ausgemacht, dass sie noch als Teenager verheiratet werden und Kinder gebären würde; sechs waren es bis zu ihrem frühen Tod mit 21 Jahren, als Kaiserin.



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Das Tragische abgemildert

Mit Recht hat der Hispanist R. Ter Horst über Calderóns mythologische Stücke gesagt: „I would deny any mythological play true tragic classification“.34 Man könnte hinzufügen: Das gilt auch für die Geschichten des Mythen-Ironisierers Ovid.

Der freudige Anlass, der Geburtstag der Infantin, gebot es, das tragische Geschehen auf verschiedene Weise abzumildern, so etwa durch die derbe Komik des payaso und seiner Kommentare. Bato ist es auch, der unmittelbar nach der tragischen Endbilanz der Liríope und vor der traditionellen Bitte an das Publikum, Schwächen und Fehler der Aufführung zu verzeihen, das letzte Wort hat und platt das Geschehene als Fiktion, als bloßen Schein entlarvt:



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„Das Schicksal (el hado= lat. fatum) hat seine Drohung wahrgemacht, indem es sich der Mittel bediente, die ich verwendete, um es daran zu hindern. Denn zu beider Untergang führten eine Stimme und eine Schönheit. Sie sind jetzt Luft und eine Blume.“ – Bato: „Und Blöde wird es geben, die’s glauben.“

Die Tragik wird aber vor allem durch den Wohllaut der Verse und den märchenhaften Charakter des Stückes gemildert. Ein „Oper in Worten“ ist es genannt worden: In der blumigen Diktion des Calderón-Übersetzers von der Malsburg: „[A]lles Tragische darin (…) zerfließt zauberisch zum sanften Gesange melancholisch schwingender Saiten“.35



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Ovid wäre nicht Ovid, wenn er nicht die amüsante Seite des Stammelns der „resonabilis Echo“ (Met., V. 358) zur Unterhaltung des Lesers nutzen würde. Die Nymphe liegt – so der Dichter – stets auf der Lauer, um geschickt diejenigen der Ausrufe Narcissus‘ abzupassen, deren letzte Worte ihrer Liebeswerbung dienen können, und Ovid nennt mehrere Beispiele (Met. V. 379-392).



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Ach, wie oft wollte sie unter zärtlichen Worten hinzutreten und sanfte Bitten vorbringen. Ihr Zustand steht dem entgegen und lässt nicht zu, dass sie den Anfang macht. Aber Laute abzuwarten, um sie dann mit ihren Worten zu wiederholen, dazu ist sie bereit, denn das lässt er zu.

Ganz anders Calderón. Seine Eco ist genötigt, Worte zu wiederholen, die sich jeweils zu einem gerade nicht von ihr intendierten Sinn fügen. So kommt es ein paar Minuten vor dem tragischen Ausgang des Stückes (V. 2786-2803) noch zu einem Dialog zwischen Bato und Eco, der beim Madrider Publikum Lachsalven ausgelöst haben dürfte. Als etwa Eco auf Batos Frage „Was ist los, Señora?“ (V.2793) mit „Señora“ antwortet, entfährt dem payaso ein rüdes „¿Señora yo? Está borracha.“: „Ich Señora? Die ist besoffen.“ Das ist die Art von Humor, mit der Shakespeare im Globe Theatre das Zwerchfell der Londoner groundlings erschütterte.



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Der Ausgang

Das Wissen um seine unerfüllbare Liebe hat Narciso erschüttert, Eco aber trifft ihn ins Mark, indem sie ihn stammelnd verflucht, zwanghaft seine jeweils letzten Worte wiederholend: „Mueras, enamorado de ti.“ – „Sterben sollst du, verliebt in dich!“. Daraufhin flieht Narciso kopflos. Er fürchtet, dass die Götter den ,Fluch‘ erhören, sein Liebeswahn zwingt ihn jedoch zurück zur Quelle. „De mí mismo enamorado, /A verme en la fuente vuelvo.“ (V. 3173f.) – „Verliebt in mich selbst, kehre ich zurück, um mich in der Quelle zu sehen.“ Eco will sich in einen Abgrund stürzen, aber löst sich zuvor in Luft auf. Narciso hat entschieden, sich in die Quelle stürzen, bricht aber zusammen, im Tod vom Wahn erlöst.36



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„Eco, wütend, und Narciso, deprimiert, formen das Emblem des Gefühlschaos dieser Personen. Den Ausgang aus ihrer Misere sehen sie im Selbstmord. In diesem dramatischen Moment greifen die Götter ein, und es vollzieht sich die Umwandlung von Eco in Luft und Narciso in eine Blume.“

Wovor Tiresias warnte, jetzt ist es ganz eingetroffen. Nach Gewitter und Erdbeben sprießt, wo der Tote liegt, eine Narzisse, Symbol seiner vergangenen Schönheit.



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Narziss im Netz

Der Magnetismus des eigenen Spiegelbildes und, in unseren Tagen, der unstillbare Drang zur stets neu inszenierten Selfie-Pose, einmal mit Kussmund, einmal ohne – diese Parallele liegt auf der (das Smartphone haltenden) Hand, sie bedarf keiner Erläuterung.

Antoni Janer Torrens ist jedoch einen breiten Schritt weitergegangen und hat in seinem mythologischen Handbuch liebevoll das Schreckensbild des internetbesessenen Egomanen ausgemalt:

„Avui, en lʼera de la revolució digital, impera el narcisisme.“ – „Heute, im Zeitalter der Digitalen Revolution, herrscht der Narzissmus. (…)“



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„Wäre er eine reale Persönlichkeit, dann würde Narziss heutzutage gewiss gebannt vor dem Bildschirm des Rechners oder des Mobiltelefons verharren. Er würde egosurfing betreiben. So würde sich sein Ego umso mehr aufblasen, je häufiger er seinen Namen laufend im Internet finden würde. Er würde auch nicht müde, mit der virtuellen Welt geistreich sein sollende Kommentare und Bilder seines ,fantastischen‘ Lebens zu teilen. Falls er einmal deprimiert wäre, dann würde er, um wieder Mut zu fassen, nicht etwa Prozac nehmen, sondern es würde ihm reichen, einen Blick zu werfen auf das Egometer seiner Follower, seiner ,Gefällt mir‘-Wertungen, der Retweets oder der Besuche seiner fiktiven Freunde aus jenem ,weltumspannenden Spinnennetz‘: dem Internet.“



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Der Triumph des Scheins über das Sein: Der ,Homo Inter-Narcissus‘ ist Eco und Narciso in einem. Nie würde es einer solchen Person einfallen, den Meinungs-Mainstream mit einem riskanten Wort zu brüskieren oder gar den Erz-Frevel politischer ,Inkorrektheit‘ zu wagen. „Sie sagt nur, was sie hört“,39 und das in kontinuierlich blökender Repetition. Gerade weil sie selbstfixiert ist, pflichtet sie in allem, was den eigenen Nabel transzendiert, bereitwillig der jeweils herrschenden, der ,angesagten‘ Meinung bei oder eilt ihr twitternd voraus.

Hier liegt eine Parallele zu Aubruns Aussage über unser Verhältnis zu den dramatis personae; jeder prüfe sich selbst, wieviel von diesem ,Narziss im Netz‘ in ihm steckt. Eco y Narciso bietet nicht nur den Genuss des „sanften Gesange[s] melancholisch schwingender Saiten“40, sondern liefert, auch in unseren Tagen, robuste Denkanstöße.



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BIBLIOGRAPHIE







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REFERENZ


Nachname, Vorname: Titel (The Carolingian, Ausgabe, Folium, Schnitt, Link), Besichtigungszeit. | Beispiele:

Vollständig: Wurm, Christoph: Narziss in Madrid. Calderóns Eco y Narciso und Ovid (The Carolingian 2021 II, fol. II, sec. 12-13: thecarolingian.com/c21.html#f2-2), Dec. 2021.

Abgekürzt: Wurm, TC 2021 II, f-II s-12-13 hic, Dec. 2021.














Folium III, 2021 II





Singing Speech
and Speaking Melodies

MINOR FORMS OF MUSICAL THEATRE
IN THE 18th AND 19th CENTURIES

Maria Encina Cortizo | Michela Niccolai


Singing Speech and Speaking Melodies

PUBLICATION



The volume Singing Speech and Speaking Melodies by Maria Encina Cortizo and Michela Niccolai investigates a series of musical theatre genres in which singing and declamation intertwine. Closely related to national theatrical traditions, the common feature of each one of them — Singspiel, opéra comique, zarzuela, opérette… — is the combination of spoken scenes with more or less complex musical numbers. They enjoyed success in theatrical life in varying European contexts and were consumed with relish during a period stretching from the French Revolution to the 20th century. During their evolution and dissemination worldwide, many of these genres have maintained their denomination but changed their language, means, and literary-musical references, sometimes enriched



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with foreign contributions and crossovers between closely related genres. They have also enjoyed interesting transfer processes between different countries through translations, adaptations and arrangements or parodies, developing and transforming themselves, and providing exciting synergies and interactions that extend beyond national contexts.

Despite these genres’ relevance, they have remained in the musicological and philological margins, overshadowed by studies on works in which singing is the principal expressive medium. This bibliographical gap underlines the relevance of a volume that brings together recent research about this subject, analysing common elements and national particularities.



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The volume is structured in five sections according to a thematic and geographical plan. The first two sections are dedicated to musical and textual forms, from vaudeville to opéra comique or from singspiel to operetta. The next two address the Portuguese and Spanish theatrical traditions. The last section deals with questions of genre: hybridity and new forms of expression, mélodrame, opérette and opéra comique adaptations from comedy repertoire, genres and music-dramaturgical forms, translations and parodies.

For the first section, ‘Vaudeville and Opéra-comique’, the four contributions analyse the changes that occurred between l’opéra-comique à vaudeville in the eighteenth century, the contribution to the opéra comique genre by Dalayrac and Cherubini, and the vaudeville production in Amsterdam between 1830 and 1848.



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Danielle L. Herrington’s chapter opens the book with research on the social criticism of the outstanding example of Nicolas Dalayrac’s Philippe et Georgette (1791): the author emphasizes how, after the French Revolution, certain themes of the ancien régime persisted on the lyrical stage, such as the virtue of sensibilité and the right to marry for love. Philippe et Georgette represent two characters animated by a «sentimental family ideal of the early Revolution». This opéra comique is a clear example of reconciliation between the demands of a redefined society and the general desire for diversion.

Using a little-known score, Favart’s Acajou of 1773 (published one year later), Bertrand Porot gives us the key to the understanding and interpretation of the



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opéra-comique in vaudevilles. Revealing their «palette of expression» through a significant number of agogical indications in the score, the author illuminates the performers’ variety of vocal and theatrical techniques, relating to methods dating from the time of the opera’s creation (1744). The musicians’, composer’s and arranger’s roles are also emphasized: their importance is determined not only in relation to orchestration and harmonization but also in the coordination of dances, which is essential for the success of the show.

Roberto Scoccimarro investigates Cherubini’s rather different production at the Opéra-Comique. The genre opéra comique is characterized by a hybrid nature and was a platform for experimentation. The author analyses



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three opéras comiques arising from the collaboration of multiple composers united by the creative resources of Luigi Cherubini and François Boieldieu. The difference in musical styles resulting from this method of production is itself considered to be an alternative aesthetic value. The three titles, La Prisonnière (1799), Bayard à Mézières (1814) and La Marquise de Brinvilliers (1831), were chosen due to the proximity of their date of creation: the first under the Directoire, the second in the aftermath of Napoleon’s defeat, and the third, one year later after the July Revolution (1830) and the beginning of the reign of Louis Philippe d’Orléans.

The last contribution in this section examines the French vaudeville in Amsterdam (1830-1848). William Osmond researches the French scene in the capital city of the



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Netherlands, where French culture was in high demand and a potential market was presented to those who dealt in French art, music, theatre and opera. The traffic of French singers and actors that passed through Amsterdam in the 1830s enriched the local repertoire with the latest Parisian operas and vaudevilles. This taste for comédie-vaudeville was to increase towards the end of the decade and carry on into the next.

The second section explores the ‘Singspiel and Operetta’ in three studies. Andrea Horz contextualizes Singspiel in the French tradition with a significant example: Johann Adam Hiller’s Lottchen am Hofe (1774). In this analysis, the author compares Hiller’s operas to other forms of the



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repertoire (Italian, French and Dutch) to understand the woven links in this mélange of European culture. Marijana Kokanovi Markovi’s and Lada Durakovi’s contribution on Lehar’s Kukuška (1896) examines the compositional process in Lehar’s operetta. This score was written during the composer’s military service as bandmaster of the Navy Orchestra in the Imperial and Royal Navy in Pula (Istria). Better known in its revised version Tatjana (1906), this score marks a significant step in Lehar’s musical development and illustrates the different trends in opera performances in European centres. In the third part of the section, Angeliki Kordellou focuses her attention on Samaras’s theatrical compositions. The composer’s work represents the first step towards the creation of Greek operetta by native



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composers at a time when translations of French and Austrian works dominated the repertoire. War in War (1914), The Princess of Sazan (1915) and Maiden of Crete (1916) are three examples of Samaras’s compositions that included musical excerpts from Byzantine chant together with a Greek libretto. The vast success of his productions shows how effectively the composer was able to introduce Greek operetta and the operatic genre to a Greek audience.

In the third section, ‘Zarzuela and Vocality in Spain’, five chapters enlighten different aspects of the zarzuela tradition, paying special attention to the vocal qualities of Spanish musical theatre. Luis Antonio González Marín takes advantage of his long experience in practical music



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as an organist, harpsichordist and founder and artistic director of the ensemble Los Músicos de Su Alteza, by developing an analysis of the singing (covering technique, requirements, tessitura and expressive resources) in the dramatic music of José de Nebra (1702-1768), a highly successful composer in Madrid’s public theatres between the 1720s and 1750s. Nebra worked with the great virtuosi of ‘international’ opera in his role as second maestro al cembalo in the orchestra of the Real Coliseo del Buen Retiro under the direction of Carlos Broschi, known as Farinelli. With reference to a significant number of Nebra’s musical scores for operas, zarzuelas, comedias, autos sacramentales and other short theatrical pieces, González Marín proposes some hypotheses about the singing resources employed



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by actresses. His conclusions contradict the common statement that Spanish singers had hardly any technical training, and open up a new and fascinating research area.

Cortizo and Sobrino offer complementary visions on the Spanish zarzuela during the 19th century. María Encina Cortizo’s article covers the history of the zarzuela while detailing the musical form’s dramaturgic evolution in the long 19th century. After some initial reflections about the genre, the author illustrates the different zarzuela models from 1830-1909: zarzuela romantica isabelina, grande and restaurada, the golden age of the zarzuela grande, zarzuela bufa, the new golden age of the zarzuela grande and the drama lirico, and the last, the género chico. Cortizo develops a broad perspective, analysing the zarzuela as another European



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lyrical spectacle that integrates French and Italian models and style. By constantly renewing its musical language, the zarzuela is revealed as one of the fundamental legacies of Hispanic music. Sobrino investigates the concept of teatro por horas (pay-per-hour theatre) to understand its special contribution to the género chico industry, along with its most paradigmatic sub-genres, the revista de actualidades and the musical sainete. The repertoire of ‘pay-per-hour’ became a mass phenomenon that for the first time brought together the urban bourgeoisie, artisans and the proletarians who moved from the countryside to the city as labour for the second industrial revolution.



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These two studies propose new research approaches, understanding the zarzuela not only as a representative local model of Spanish musical theatre, but also as part of the wider field of European popular theatre along with the Singspiel, the opéra-comique, the vaudeville or the operetta. But the zarzuela also enjoyed development in the old Spanish-American Colonies, where the genre was established and took on new life, leading to the birth of autochthonous zarzuela traditions. García Torres’ chapter delves into this topic, analysing different judgments and statements about the género chico repertoire from three different perspectives: the Spanish, the European, and the Hispanic-American. The analysis of the different sources reveals new insights into the value of the genre



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represented in Spanish sources, conditioned by the material circumstances of contemporary theatrical reality, as compared to the impressions of exoticism and colonialism that altered the reception and opinions of the scholars, critics and audience in the rest of Europe and Hispanic America.

In the fifth and last chapter of this third section, Zoila Martínez Beltrán explores some reflections on Spanish fashion in North America at the beginning of the 20th century, as seen in the publication in New York of the volume The Music of Spain (1918) by Carl Van Vechten. This is one of the first American attempts to approach Spanish music from an academic and historical perspective. Focusing on Spanish coloratura divas such as María Barrientos and



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Elvira de Hidalgo (María Callas’s maestra), the author analyzes how these singers embodied some of the Spanish clichés that Vechten was highlighting as part of Spanish music itself in the United States musical scene prior to the 1920s.

The fourth section — ‘Portuguese Musical Theatre’ — comprises two chapters on another rich and varied European tradition with a history mainly influenced by Spanish and Italian models. Catarina Ribeiro Braga focuses on the role of amateurs in Portugal during the late 19th century. As consumers, producers, performers, and creators of dramatic and musical products, they had a significant role in disseminating operetta and music theatre, revitalizing the cultural life not only in the principal cities



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but also in small villages. These repertoires were also the main ingredients of the lower classes’ entertainment and artistic instruction in Lisbon and Porto. The Anglo-Portuguese musicologist David Cranmer explores an extensive overview of 18th-century music theatre in Portugal through the analysis of four types of piece: (1) the Portuguese operas by António José da Silva, premiered in Lisbon in the 1730s; (2) the Portuguese adaptations of Metastasio opera texts; (3) the comedies of the 1770s to 1790s, primarily translations of French, Spanish and Italian plays, particularly Goldoni; and (4) one-act interval and after-pieces. After reflecting on the surviving sources, the author proposes and defends a «principled» edition, clarifying what this entails using examples from scores already produced and used successfully in modern productions.



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The last section deals with ‘Questions of Genre’: hybridity and new forms of expression; mélodrame, opérette, opéra comique adaptations from comedy repertoire; genre and music-dramaturgical forms; and parodies or translations that implement synergies between different theatrical traditions. Jana Franková presents an analysis of three theatrical versions based on the 18th-century comedy The Clandestin Marriage (1766) by Colman and Garrick, a piece inspired by the painting Mariage à-la-mode (1743-45) by William Hogarth. The first two adaptations premiered in Paris, presenting the original comedy as two different opéras comiques: Sophie ou le mariage caché (1768), a three-act play remade by Riccoboni and Biancolelli, with music by J. Kohaut; and Le Mariage clandestin (1790), a one-act piece



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by Vicomte de Ségur with music by Devienne. The third adaptation, Il matrimonio segreto (1792) by Bertati and Cimarosa, is the most famous 18th-century opera buffa. The author develops a comparative analysis of these three musical adaptations from a comprehensive perspective, attending to the understanding of their transformational process, dramaturgy and reception in the European context.

The next chapter, written by Adela Presas, analyzes a set of Spanish works in one act written between 1760 and 1820 that combine recitation with song. The author focuses on each genre’s particularities, especially the zarzuela and the operetta, to understand the possible relationship between repertoires. She also studies the peculiarities of adaptation by different interpreters and the new dramaturgical conception produced by these new genres.



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Trevor Penoyer-Kulin’s contribution also offers a view about questions of genre in two Offenbach pieces: the opéra bouffe Barkouf (1860) and the opéra comique La Chanson de Fortunio (1861). The chapter describes the permeability or porosité between different genres, especially of the barrier separating opérette and opéra comique. Even though the history of both genres has been related to different contexts and theatres (Bouffes-Parisiens and the Folies Nouvelles for the first, the theatre of Opéra-Comique for the second), the author suggests that this circumstance has not defined them effectively. Penoyer-Kulin develops a relational perspective on both genres, proposing them as intrinsically bound together through the processes of history.



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In the third contribution on genre issues, Francesc Cortès i Mir analyzes La fantasma groga (1873), the Catalan parody of the French opera buffa La dot mal placée (1873). With a libretto adapted by Coll i Britapaja and musical arrangement by Pedrell, this parody premiered at the Teatro del Circo in Barcelona and is a good example of the repertoire of French adaptations of operetta and opere buffe that dominated the Spanish scene, mainly between 1866 and 1879. The analysis reveals that these works were more than just servile translations of French fashion pieces, and attracted audiences through significant changes to their lyrical content in a Hispanic style. In the next chapter, Víctor Sánchez Sánchez studies another process of transfer between geographical and dramaturgical context: the Italian



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translation of La Gran Vía, the most significant revista de actualidades of the Spanish repertoire in the second half of the 19th century. Italian operetta companies incorporated zarzuela pieces in their repertoire, ranging from literary translations like Il Duetto dell’Africana to freer adaptations such as Le cinque parti del mondo — from Los sobrinos del capitán Grant — that incorporated new musical and literary material. Analyzing this adaptation process from the Spanish original to the first French translation and subsequent Italian ones defines a fresh perspective that removes the frontiers between distant genres like the revista de actualidades and the operetta, where works from different traditions interacted beyond the limits of a national framework.



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Parody is one of the main systems of assimilation of the operatic repertoire by the zarzuela. The next chapter, written by José Ignacio Suárez García, analyzes two relevant zarzuela parodies of Tannhäuser in 1890: Tannhäuser el estanquero and its continuation, Tannhäuser cesante, both with lyrics by Eduardo Navarro Gonzalvo and music by Gerónimo Gimenez. The author confirms that parody had the ability to synthesize complex issues on the stage, developing his analysis from multiple approaches: tropological density, intertextual content and social impact. The political background reflected in the satire of the ‘take-turns’ system, a characteristic of Spanish policy during the Bourbon Restoration, is also studied.



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The last contribution, regarding the mélodrame, is presented by Sylvie Douche. Between the stage and the intimate, the 19th-century French musical mélodrame is a mix of genres, similar to the opéra comique. The main specific feature of this French genre is a typology of actor-singer alternating between singing and speaking, requiring an interpreter who knows how to sing and declaim, sometimes with the presence of other singers or a chorus. The author reviews the intermediate declamatory modality by taking into account French scores and theoretical treatises.

Singing Speech and Speaking Melodies: Minor Forms of Musical Theatre in the 18th and 19th Century, by Maria Encina Cortizo and Michela Niccolai. Turnhout, Brepols (Speculum Musicae, 43), 2021














Folium IV, 2021 II





The Writing on the Wall

A BRIEF REFLECTION
ON THE BANALITY OF EVIL

Heiner Thiessen


LITERATURE



It was only a few days into the Second World War. So far it had consisted of nothing more than what the Voice on the radio called the Polish Campaign. ‘Retaliation for the Polish attack on the Radio Station Gleiwitz’. Could one believe the Voice? Could one afford to harbour poisonous and treacherous forms of doubt in one’s heart? Perhaps that lack of confidence in political leadership could become outwardly visible over time. Hearts were heavy everywhere. Where would it all end? Another Versailles?

Albert was in his early sixties by now. He and Elsa led frugal lives on the third level of a six floor apartment block in Frankfurt on the River Main. No hot water, no bathtub. A newfangled radio with one single station.’ Volksradio’. The voice of Truth.



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Albert and Elsa are afraid whenever the doorbell rings, especially after dark. They are afraid whenever the postman knocks on the door. They have not heard from Helmut for ages. He was only 18 when he left home. A boy really. But after the first wave of Anti Jewish Pogroms on the 9th November 1938, when the Synagogues all over the country went up in flames and the Jewish shop fronts were ransacked with broken glass everywhere, their tiny world had changed forever. All their hopes and all their self-deceiving optimism, that it could not possibly ever come to this, had now evaporated.

They had been too credulous, too gullible, first of all, too unimaginative to even consider the possibility of



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orchestrated mass aggression against their own kind. The warning signs though had been there all along but these individual events had been too painful, too frightening and too breathtaking, each of them in their own right. There was no mental space left for Albert to link and join together all of these occurrences to form a wider, bigger picture. It had been so much easier to look the other way, to focus on their everyday challenges, instead of seeing the gradually rising tide of hostilities and chicanery against the people of Mosaic origin, even if they had been secular and culturally German, and like Albert, serving their Kaiser Wilhelm during WW1. Now, it made no difference at all.

Now, they all fell under the jurisdiction of the Nuremberg Race Act of 1935, an outrageous Law compartmentalising



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people into all sorts of new categories from Full Jew to Halfcast Second Degree. It also robbed them of their Citizenship and turned them into tolerated outsiders. The new Law had cost Albert his clerical job at the Council Offices. But he soon found new work at a private company through friends of friends. Everyone needed accountants and not everyone supported this regime. Albert and Elsa had to produce family trees now, three generations back, so that they could be classified accordingly. Albert and Elsa were ‘Full Jews’. And so was their only son Helmut.

But when the Night of Broken Glass led to Jewish fatalities and 30,000 deportations of Jewish males to concentration camps, life had changed irretrievably. Critical mass



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had been reached. Even if his parents felt too old and too disconnected from the world beyond, Helmut at least had to leave, the sooner the better. One fine day in November 1938 Albert and Elsa took their 18 year old son to Frankfurt Hauptbahnhof, walked up platform Six and waved him goodbye. He smiled unconvincingly and showed them his ticket to Amsterdam through the dirty window of his railway compartment. They never saw each other again.

But that was half a year ago now and they had only ever received one standard postcard from London, issued by the Red Cross, confirming Helmut’s safe arrival in his new world across the Channel. Albert and Elsa had hoped for much more information. But the world was not like that. At



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the beginning of 1939 another new Law comes into force. All Jews need to have first names, deemed to be typically Jewish. New parents have to choose from a prescribed list of limited choice. Jewish adults have to add ‘Israel’ or ‘Sarah’ to their first names. It is the beginning of unashamedly earmarking the victims of the Final Solution. But life goes on and no noisy alarm bells seem to be ringing for Albert and Elsa.

And then on the 10th September 1939 the postman delivers an official looking letter in a bland green envelope with a German stamp. The heart rate rises, even before Albert-Israel tears open the envelope. It is from the Head of the Jewish Community in Frankfurt. The document looks



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cold and hostile and Albert-Israel and Elsa -Sarah can’t understand what it says. So many complicated words, so many legal terms. But the letter is from the Synagogue. It can’t possibly be bad or threatening. Surely, they are all of the Tribe of Jacob, even if Albert-Israel and Elsa-Sarah don’t attend Synagogue in their modern agnostic ways of thinking. When the heart rate declines gradually and the mind calms, they both sit down at their kitchen table, with Albert reading the Letter back to Elsa, slowly and clearly.



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A list of instructions follows, detailing the inclusion of each single person of the household, their economic status, their assets and valuables. Separate questionnaires are required for each child. The leaflet is signed by the Head of the Jewish Community in Frankfurt/Main.

Albert and Elsa fill in the enclosed forms diligently and obediently, not just for themselves but also for absent Helmut. They do not want to alert officialdom that their son is no longer in Frankfurt. The warning lights in Albert’s household however are still not coming on. They are law-abiding folk. Always have been. They don’t pack their bundles and disappear into the night. Their imagination does not include resettlement programmes, ethnic cleansing and long journeys in windowless goods trains. They simply



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Statistical Census of the entire Jewish Population for Official Purposes
Statistical Census of the entire Jewish Population for Official Purposes



cannot imagine that anything untoward could ever happen to them. The Law of Inertia does not only apply to Physics.

They carry on with their little lives until, eventually, they receive yet another letter, instructing them to meet at the local railway station at 2:00 in the morning with one single suitcase per person. And they still don’t go into hiding or start an uprising. They arrive on time at the appointed hour. Their conditioning is so powerful that all else would seem disobedient and disrespectful of an almighty and all knowing state.

Albert and Elsa board a goods train that takes them from Frankfurt to Theresienstadt, Terezin, north west of Prague in Bohemia. They arrive at a concentration camp, open to



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occasional international inspection with its own orchestra and the odd concert. But it is also a hub for other destinations that afford none of these niceties. And so, inevitably, Albert and Elsa obediently board yet another windowless goodstrain to one of those other places with their unspeakable names, where they finally perish without any written record of their demise.

Shortly after the outbreak of WW2, 19 year old Helmut, by now in London, is classified as Enemy Alien and sent to live in a huge sports stadium somewhere in the UK until he and thousands like him are shipped from Liverpool to Canada, where he spent several winters under canvas. When I met him in 1976, he had anglicised his name. The past had been just too painful.



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Did he ever go back to Frankfurt, I ask. He takes his time to reply. Twenty years after the war, Helmut receives a letter on headed paper from the Town Council of Frankfurt. They invite him to go back to his home town for a ‘Gathering of International Reconciliation’. All expenses paid generously. Helmut travels to Frankfurt and joins in the proceedings of this international event with concerts, speeches, discussions and the emotional meeting of old acquaintances. Towards the end of his time there, he is invited to the Town Hall, where they hand him a large brown envelope, containing some of his parents’ belongings. He finds the postcards and letters he had sent from London and Canada and had never reached his mum and dad. He finds letters from relatives who had made it to Holland and cryptically reported



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about the arrests of uncles and cousins. The Red Cross issue postcards prescribe a maximum of words and are open to official scrutiny. ‘Uncle Ernst and Auntie Martha have gone on a journey’.

He finds his parents’ wedding certificates, his own birth certificate and a Letter issued by the Head of the Jewish community in Frankfurt, requesting prompt cooperation with a government that had taken away their citizenship, their right to work in the public sector, their names and finally their very own son.

Helmut has told me all this. He was a good friend at Portsmouth Polytechnic. When he retired, he quietly handed me an envelope. It contained a photocopy of a letter that seemed no more than an insignificant leaflet.














Folium V, 2021 II





What’s Wrong With the Internet?

THE FUTURE OF THE INTERNET
BETWEEN LAW AND LIBERTY

Gregory Name


Future of the Internet

ESSAY



1. The dichotomy between freedom and regulation online is not a debate of straightforward answers. Regulating the universal reach of internet communication requires a universal approach based on consensus. This is the ideal world, or at least the shine of ideality. The notion that legislators may decide on what constitutes good standards of communication creates as many problems as those it aims to solve. The contrasts between civil and common law traditions do not change the fact that regulating the behaviour of citizens in society is a legal tradition irrespective of political regimes. Every country regards certain kinds of communication as unlawful. The criterion of differentiation is what reveals the regime behind the law. Both the praise of a genocide and criticism of ruling powers



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can be criminalised. Synchronised solutions have never been expected. Freedom of speech has different legal connotations in the United States and China, even tough both are signatories of the Universal Declaration of Human Rights. The fragmented and antagonistic implementations of the same legal principles should not surprise any careful observer. The world of the 20th century comprised spheres of nationalised communication. Mutual interaction did not erode their individual robustness, and this was a manageable scenario for local legislation on speech. The internet represents the abolition of fragmented spheres. Communication takes place in one universal, anonymous, decentralised sphere. The hope of a new era of freedom for the good of all was naïve. The psychological core



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of the novel liberty was a lowered inhibitions threshold. Those who on a public square are citizens with defined duties were turned into users of a network where no word and no behaviour had any legal consequence. A different culture of communication has now fed its first generation, and the next level of disinhibition could not but be political. The technical default of the internet is that it was not devised to check the unaccountability it invariably creates. And it creates more unaccountability than the power of national laws can tackle. The fallacy lies in the expectation that the acceleration of communication may lead to enhanced quality. The effect was quite the contrary. Legislators all over the world are left with a global sphere of legally relevant communication issues that only global



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action can solve – in a world where global consensus is not a prospect. The very use of the internet now perpetuates ideological divisions among regimes and peoples.

2. Consensus is utopia. The common acknowledgement of a problem rarely leads to common action. Consider the arguably most pressing issues of the moment: climate change, Covid 19. Not even here is there any consensus on a synchronised plan of action. To agree that something needs to be done is a void convention, and ultimately each country follows its way. The fragmentation of responses to universal crises is one of the constants of international affairs – and the internet is no exception. The lawfulness of communication touches on too many fundamental debates of philosophy,



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sociology, political science, law and jurisprudence. Such disciplines would not exist if their issues could be solved on a summit. The debate is invariably ideological, and the search of final solutions has led to disasters. There is no unequivocal answer to the question what a national state can enforce legitimately. The variables of the equation cannot be all pleased together. The pragmatic aporia is that general challenges call for general solutions, yet no proposal is so valid that it solves a problem without creating another. Particular aspects are good and bad for different people. Never has it been so easy to pursue political activism, and never so easy to groom a child for sexual abuse – all enabled through encryption. A current issue exposes a latent fragility in the rule of law that only rarely comes to the fore: that the



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exercise of equal rights is not immune against situations leading to a conflict of rights. Children and activists are equally important. The other side of the coin is finding an encryption law that does justice to all. Intrinsic to regulation is the dissatisfaction of some of those affected. The difference in the rule of law is that citizens may expect a reasonable justification for the limitation of their rights. Treating conflicting rights as a binary choice bodes ill for political legitimation. One of the sadder realisations is that the law that cannot please both equally must let both down equally. When positive justice cannot satisfy the parties, it is the task of negative justice to dissatisfy everyone in equal measure, lest none be favoured. In practice the case looks more daunting. Conflicting rights transcend jurisdiction



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powers. Ending anonymity on social platforms may bring higher standards of debate and behaviour where the rule of law is strong. In authoritarian settings it will expose activism to punishment. Antagonistic diversity makes universal proposals unrealistic. A degree of national fragmentation is unpreventable. This does not mean polarisation will necessarily increase. Even if every country goes its own internet way, connectivity makes it easier for various legal systems to become more acquainted with each other. Although the façade may remain contentious, a subtle levelling-up of standards will take place in the long term. Interconnectivity can no longer be erased. The process of mutual influence among geopolitical opponents is involuntary, but also unavoidable.



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3. The idea of an international parliament is laughed at as visionary, or too dangerous. Imagine a little world dictator telling England how fish and chips should be done. The caricature entertains but its dilettantism fails to capture the spirit of the principle. That national states have more freedoms than they should, was evidenced in the events leading to the second world war. The urge to make governments more aligned to international codes arose as a direct reaction to genocide and authoritarian eccentricities. Bertrand Russell was one of the post-war intellectuals calling for a world government, with a simple reasoning: global issues must be tackled by global institutions. An extra-national parliament should legislate on questions pertaining to world peace and international crisis



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management. The proliferation of nuclear weapons could have been avoided this way. Universal solutions must come from institutions with universal jurisdiction. The challenge is not feasibility. Convincing national states to cede some of their most cherished freedoms only works after major traumata. The creation of the UN resulted from the devastation of war, yet it could not effect acceptance for binding resolutions for its general assembly. While world crises become more and more intertwined, the paradoxical trend gradually points to a return to accumulated national powers. Strategic crisis management requires the opposite. The next step would be a body of representatives, not delegates. The latter are mere emissaries of governments. The former respond only to their conscience. They are



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chosen in free and fair elections in their country of origin. The complexity of the global issues at hand calls for herculean commitments. The place of the internet in the rule of law is one of the most sensitive debates of our time. Trying to treat any question of internet governance in depth quickly touches on major political susceptibilities. The lack of public acknowledgement of significant issues only aggravates the crises of a modern world transitioning from national to supra-national spheres of rapid communication. The temptation of applying 20th century solutions to the challenges of our age has lured an increasing number of regimes, yet it remains to be shown how they can work without opening doors to excessive controls. New developments speak for themselves, from internet



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shutdowns to suppression of political dissent and persecution of activism, often propped by unconventional concepts of terrorism and national security. Organisations and stakeholders, not least in the IGF (Internet Governance Forum), have been drawing attention to this.

4. The focus on solutions diverts from the fact that the problems are not sufficiently understood. Psychological disinhibition and its socio-political ramifications show only a fraction of a myriad of issues. Critical debate must entail an ongoing discussion on (i) what kind of communication, or approach to communication, could harm a world order of democracy, rule of law and human rights, and (ii) how the internet is being abused to convey such communication. A meticulous catalogue of recurrent problematic behaviours,



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from big to small actors, would do society a greater service. The 1948 Declaration could serve as a primary reference, since this document ranks among the most recognised. A digital commentary should analyse each paragraph separately and describe which categories of communicative behaviour online typify an infringement. Effective treatment requires an accurate diagnosis. Without thoroughly dissecting the psycho- and sociopathology of digital communication no legal remedies will deliver more than palliative measures. Yet the interconnection of conflicting issues goes beyond facile classification. Privacy is one of the problems enjoying broad attention, with contrasting sides able to base their argumentation on the same legal reference. While article 12 of the UDHR states the right of secret



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correspondence, article 3 declares the duty of the state to provide security. It can be interpreted as such: It’s a human right to live in a safe state. Surveillance as the prophylaxis of terrorism safeguards democratic stability. The final injunction that single articles of the UDHR shall not be played against each other does little to remove a dilemma resulting from the very nature of communication in the age of disinhibition. The longing for facile solutions is overcome by the realisation that even a comprehensive and dispassionate description of problematic behaviours and conflicting rights cannot be guaranteed. Yet the sobering taste of committed internet studies makes a solid critical foundation. And it makes us wiser. A digital commentary on the UDHR would propose a reflection on the worst the internet has to offer, so that the best can be



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sought and prevail. Depth is added by a diversity of researchers debating the implications of every single article for communication online and the threats posed to each article by novel behaviours of individuals and businesses online. Human rights have little prospect of implementation where the dynamic of communication is used to dehumanise our perception of the other.

5. The categorical opposition to regulation has lost ground in the last decades as the symptoms and implications of disinhibition became increasingly apparent. When talking about freedom of speech, only dilettantes conflate rhetoric disinhibition with critical debate. Had the current pandemic arisen before social media, conspiracy theories and



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deliberate resistance to scientific research would hardly have leaked out of people’s rhetorical fantasies, rooted in the deepest corners of our minds. As far as the maintenance of democracy and the rule of law is concerned, freedom of expression can dispense with further insights into the cognitive-behavioural abyss of each of us, nay with the social Frankenstein that centuries of civilisation have taught us to hide in the darkest depths of our thoughts – there was a good reason for this. Whether regulation can undo the opening of Pandora’s box remains uncertain. The challenge for legislation lies in the volatility of innovation. With research on AI as the long-standing Eldorado of technological ambition, the landscape of the internet is bound to change more and more rapidly, posing potential



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nightmares to legislators trying to catch up. Whatever the fate of documents such as the Online Safety Bill, one may safely assume they will be outdated within ten years. Legislation does not exempt society from unflattering debate. Rather than trying to make an iPhone a toddler-friendly tool, the charitable urge to protect children online should be coupled with astonishment that a five-year-old girl may use a smartphone, with parents and teachers taking this as a matter of course. With research suggesting a global decrease in IQ-levels since the 1970s, the aggravating role of the addictive attention economy on children’s cognition and behaviour should not come as a surprise. Confusion comes rather from the omission of the elderly in a draft law intended to protect all, and this in an ageing society where older internet users, statistically an even larger group, are equally exposed to abuse and fraud. The draft law makes no duty-of-care provisions to protect the elderly. Insufficient knowledge leads to mistaken calculations. The focus on problem-solving is doomed to disaster when the rush to act diverts us from a calm and dispassionate study of the challenges at hand and their subtle interconnection.














Folium VI, 2021 II





Let Money Be Powerless

TWO POLITICAL LETTERS TO CAESAR
ON LAW AND CORRUPTION

Gaius Sallustius Crispus


Let Money Be Powerless

EXTRACT



Epistula I

1. Pro vero antea obtinebat, regna, atque imperia, fortunam dono dare, item alia, quae per mortalis avide cupiuntur: quia et apud indignos saepe erant, quasi per lubidinem data; neque cuiquam incorrupta permanserant. Sed res docuit, id verum esse, quod in carminibus Appius ait, “Fabrum esse suae quemque fortunae:” atque in te maxume, qui tantum alios praetergressus es, uti prius defessi sint homines laudando facta tua, quam tu laude digna faciundo. Ceterum uti fabricata, sic virtute parta, quam magna industria haberi decet, ne incuria deformentur, aut corruant infirmata. Nemo enim alteri imperium volens concedit: et, quamvis bonus atque clemens sit, qui plus potest, tamen, quia malo esse licet, formidatur. Id evenit, quia plerique rerum potentes perverse consulunt: et eo se munitiores putant, quo illi,



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quibus imperitant, nequiores fuere. At contra id eniti decet; quum ipse bonus, atque strenuus sis, uti quam optumis imperites. Nam pessumus quisque asperrume rectorem patitur. Sed tibi hoc gravius est, quam ante te omnibus, armis parta componere. Bellum aliorum pace mollius gessisti: ad hoc victores pradam petunt, victi cives sunt. Inter has difficultates evadendum est tibi: atque in posterum firmanda respublica non armis modo, neque advorsum hostes; sed, quod multo maius, multoque asperius est, bonis pacis artibus. Ergo omnes magna mediocrique sapientia res huc vocat: quam quisque optuma potest, ut dicat. Ac mihi sic videtur: qualicumque modo tu victoriam composueris, ita alia omnia futura.



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2. Sed iam, quo melius faciliusque constituas, paucis, quae me animus monet, accipe. Bellum tibi fuit, imperator, cum homine claro, magnis opibus, avido potentiae, maiore fortuna, quam sapientia: quem sequuti sunt pauci, per suam iniuriam tibi inimici; item quos adfinitas, aut alia necessitudo, traxit. Nam particeps dominationis neque fuit quisquam; neque, si pati potuisset, orbis terrarum bello concussus foret. Cetera multitudo volgi, more magis quam iudicio, post alius alium, quasi prudentiorem, sequuti.

Per idem tempus maledictis iniquorum occupandae reipublicae in spem adducti homines, quibus omnia probro ac luxuria polluta erant, concurrere in castra tua; et aperte quietis mortem, rapinas, postremo omnia, quae corruptus



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animus lubebat, minitari. Ex quis magna pars, ubi neque creditum condonare, neque te civibus, sicut hostibus, uti vident, defluxere: pauci restitere; quibus maius otium in castris, quam Romae, futurum erat; tanta vis creditorum impendebat. Sed ob easdem caussas immane dictu est, quanti et quam multi mortales, postea ad Pompeium discesserint: eoque, per omne tempus belli, quasi sacro atque inspoliato fano debitores usi.

3. Igitur, quoniam tibi victori de bello atque pace agitandum est, hoc tu civiliter deponas, illa ut quam iustissuma et diuturna sit; de te ipso primum, quia compositurus es, quod optumum factu est, existuma. Equidem ego cuncta imperia crudelia, magis acerba, quam diuturna, arbitror; neque



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quemquam a multis metuendum esse, quin ad eum ex multis formido recidat: eam vitam bellum aeternum atque anceps gerere: quoniam neque advorsus, neque ab tergo, aut lateribus tutus sis; semper in periculo, aut metu agites. Contra qui benignitate et clementia imperium temperavere, his laeta et candida omnia visa, etiam hostes aequiores quam aliis cives.

An qui me his dictis corruptorem victoriae tuae, nimisque in victos bona voluntate praedicent? Scilicet quod ea, quae externis nationibus, natura hostibus nosque maioresque nostri saepe tribuere, ea civibus danda arbitror; neque barbaro ritu caede caedem, et sanguine sanguinem expiandum.



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4. An illa, quae paullo ante hoc bellum in Cn. Pompeium victoriamque Sullanam increpabantur, oblivio intercepit? Domitium, Carbonem, Brutum, alios item non armatos, neque in praelio belli iure, sed post ea supplices per summum scelus interfectos: plebem romanam in villa publica, pecoris modo, conscissam? Heu! Quam illa occulta civium funera, et repentinae caedes in parentum, aut liberorum sinum, fuga mulierum et puerorum, vastatio domorum, ante partam a te victoriam omnia saeva atque crudelia erant! Ad quae te illi idem hortantur: et scilicet id certatum esse, utrius vestrum arbitrio iniuria fierent; neque receptam, sed captam a te rempublicam; et ea caussa exercitus, stipendiis confectis, optumos et veterrumos omnium, advorsum fratres parentesque ac liberos armis



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contendere; ut ex alienis malis deterrumi mortales ventri, atque profundae lubidini sumtus quaererent; atque essent obprobria victoriae, quorum flagitiis commacularetur honorum laus.

Neque enim te praeterire puto, quali quisque eorum more aut modestia, etiam tum dubia victoria, sese gesserit; quoque modo in belli administratione scorta aut convivia exercuerint nonnulli; quorum aetas ne per otium quidem tales voluptates sine dedecore attigerit.

5. De bello satis dictum. De pace firmanda quoniam tuque et omnes tui agitatis; primum id, quaeso, considera, quale id sit, de quo consultas: ita, bonis malisque dimotis, patenti



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via ad verum perges. Ego sic existumo: quoniam orta omnia intereunt, qua tempestate urbi romanae fatum excidii adventarit, cives cum civibus manus conserturos: ita defessos et exsangues regi, aut nationi praedae futuros: aliter non orbis terrarum, neque cunctae gentes conglobatae, movere aut contundere queunt hoc imperium. Firmanda igitur sunt concordiae bona, et discordiae mala expellenda.

Id ita eveniet, si sumtuum et rapinarum licentiam demseris; non ad vetera instituta revocans, quae, iam pridem corruptis moribus, ludibrio sunt; sed si suam cuique rem familiarem finem sumtuum statueris: quoniam is incessit mos, ut homines adolescentuli, sua atque aliena consumere, nihil lubidini, atque aliis rogantibus denegare, pulcherrumum



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putent; eam virtutem, et magnitudinem animi, pudorem, atque modestiam pro socordia aestument. Ergo animus ferox, prava via ingressus, ubi consueta non subpetunt, fertur accensus in socios modo, modo in cives; movet composita, et res novas veteribus adquirit.

Quare tollendus foenerator in posterum, uti suas quisque res curemus. Ea vera, atque simplex via est, magistratum populo, non creditori, gerere; et magnitudinem animi in addendo, non demendo reipublicae, ostendere.

6. Atque ego scio, quam aspera haec res in principio futura sit, praesertim iis qui se in victoria licentius liberiusque, quam arctius, futuros credebant: quorum si saluti potius,



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quam lubidini consules, illosque nosque et socios in pace firma constitues. Sin eadem studia artesque iuventuti erunt, hae ista egregia tua fama simul cum urbe Roma brevi concidet. Postremo sapientes pacis caussa bellum gerunt, laborem spe otii sustentant: nisi illam firmam efficis, vinci, an vicisse, quid retulit?

Quare capesse per deos, rempublicam, et omnia aspera, uti soles, pervade. Namque aut tu mederi potes, aut obmittenda est cura omnibus. Neque quisquam te ad crudeles poenas, aut acerba iudicia invocat, quibus civitas vastatur magis quam corrigitur; sed uti pravas artes, malasque lubidines, ab iuventute prohibeas.



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Ea vera clementia erit, consuluisse, ne immerito cives patria expellerentur; retinuisse ab stultitia et falsis voluptatibus; pacem, concordiamque stabilivisse: non, si flagitiis obsecutus, delicta perpessus, praesens gaudium cum mox futuro malo concesseris.

7. Ac mihi animus, quibus rebus alii timent, maxume fretus est, negotii magnitudine: et quia tibi terrae et maria simul omnia componenda sunt; quippe res parvas tantum ingenium adtingere nequit: magnae curae magna merces est.

Igitur provideas oportet uti plebes, largitionibus et publico frumento corrupta, habeat negotia sua, quibus ab malo publico detineatur: iuventus probitati et industriae, non



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sumptibus, neque divitiis studeat. Id ita eveniet, si pecuniae, quae maxuma omnium pernicies est, usum atque decus demseris.

Nam saepe ego cum animo meo reputans, quibus quisque rebus clarissumi viri magnitudinem invenissent; quae res populos, nationesve, magnis auctoribus auxissent; ac deinde quibus caussis amplissuma regna et imperia corruissent: eadem semper bona, atque mala reperiebam omnesque victores divitas contemsisse, et victos cupivisse. Neque aliter quisquam extollere sese, et divina mortalis adtingere potest, nisi, obmissis pecuniae et corporis gaudiis, animo indulgens, non adsentando, neque concupita praebendo, perversam gratiam gratificans; sed in labore, patientia, bonisque praeceptis, et factis fortibus exercitando.



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8. Nam domum aut villam exstruere, eamque signis, aulaeis, aliisque operibus exornare, et omnia potius, quam semet, visendum efficere; id est, non divitias decori habere, sed ipsum illis flagitio esse. Porro ii, quibus bis die ventrem onerare, nullam noctem sine scorto quiescere, mos est; ubi animum, quem dominari decebat, servitio obpressere, nequicquam eo postea hebeti atque claudo, pro exercito uti volunt: nam imprudentia pleraque et se praecipitant. Verum haec et omnia mala pariter cum honore pecuniae desinent, si neque magistratibus, neque alia vulgo cupiunda venalia erunt.

Ad hoc providendum est, quonam modo Italia atque provinciae tutiores sint: id quod factu haud obscurum est. Nam iidem omnia vastant, suas deserendo domos, et per



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iniuriam alienas obcupando. Item ne, ut adhuc, militia iniusta, aut inaequalis sit: quum alii triginta, pars nullum stipendium faciet. Et frumentum id, quod antea praemium ignaviae fuit, per municipia et colonias, illis dare conveniet, quum stipendiis emeritis domos reverterint.

Quae reipublicae necessaria, tibique gloriosa ratus sum, quam paucissumis absolvi. Non peius videtur pauca nunc de facto meo disserere. Plerique mortales ad iudicandum satis ingenii habent, aut simulant: verum enim ad reprehendenda aliena facta, aut dicta, ardet omnibus animus; vix satis apertum os, aut lingua promta videtur, quae meditata pectore evolvat. Quibus me subiectum haud poenitet, magis reticuisse pigeret. Nam sive hac, seu



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meliore alia via perges, a me quidem pro virili parte dictum et adiutum fuerit. Reliquum est optare, uti, quae tibi placuerint, es dii immortales adprobent, beneque evenire sinant.


Epistula II

1. Scio ego, quam difficile, atque asperum factu sit, consilium dare regi aut imperatori, postremo cuiquam mortali, cuius opes in excelso sunt: quippe quum et illis consultorum copiae adsint; neque de futuro quisquam satis callidus satisque prudens sit. Quinetiam saepe prava magis, quam bona consilia prospere eveniunt: quia plerasque res fortuna ex lubidine sua agitat.



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Sed mihi studium fuit adolescentulo rempublicam capessere: atque in ea cognoscenda multam, magnamque curam habui: non ita, uti magistratum modo caperem, quem multi malis artibus adepti erant; sed etiam uti rempublicam domi, militiaeque, quantumque armis, viris, opulentia posset, cognitam haberem. Itaque mihi multa cum animo agitanti consilium fuit, famam, modestiamque meam post tuam dignitatem habere, et cuius rei lubet periculum facere, dum quid tibi ex eo gloria accederit. Idque non temere, aut fortuna tua decrevi, sed quia in te, praeter ceteras, artem unam egregie mirabilem comperi, semper tibi maiorem in advorsis, quam in secundis rebus animum esse. Sed per deos immortales illa res clarior est, quod et prius defessi sint homines laudando atque admirando munificentiam tuam, quam tu faciendo quae gloria digna essent.



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2. Equidem mihi decretum est, nihil ego, quae visa sunt, de republica tibi scripsi, quia mihi consilium et ingenium meum amplius aequo probaretur sed inter labores militiae, interque proelia, victorias, imperium, statui admonendum te de negotiis urbanis. Namque tibi si id modo in pectore consilii est, uti te ab inimicorum impetu vindices, quoque modo contra advorsum consulem beneficia populi retineas, indigna virtute tua cogites. Sin in te ille animus est, qui iam a principio nobilitatis factionem disturbavit, plebem romanam ex gravi servitute in libertatem restituit, in praetura inimicorum arma inermis disiecit, domi militiaeque tanta et tam praeclara facinora fecit, uti ne inimici quidem queri quidquam audeant, nisi de magnitudine tua; quin accipe tu ea, quae dicam de summa republica, quae profecto aut tu vera invenies, aut certe haud procul a vero.



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3. Sed quoniam Cn. Pompeius, aut animi pravitate, aut quia nihil eo maluit, quam quod tibi obesset, ita lapsus est, ut hostibus tela in manus iaceret; quibus ille rebus rempublicam conturbavit, eisdem tibi restituendum est. Primum omnium, summam potestatem moderandi, de vectigalibus, sumtibus, iudiciis, senatoribus paucis tradidit; plebem romanam, cuius antea summa potestas erat, ne aequis quidem legibus, in servitute reliquit. Iudicia tametsi, sicut antea, tribus ordinibus tradita sunt; tamen iidem illi factiosi regunt, dant, adimunt, quae lubet: innocentes circumveniunt; suos ad honorem extollunt; non facinus, non probrum aut flagitium obstat, quo minus magistratus capiant: quod commodum est, trahunt, rapiunt: postremo, tanquam urbe capta, lubidine ac licentia sua, pro legibus utuntur.



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Ac me quidem mediocris dolor angeret, si virtute partam victoriam, more suo, per servitium exerceret; sed homines inertissumi, quorum omnis vis, virtusque in lingua sita est, forte, atque alterius socordia dominationem oblatam insolentes agitant. Nam, quae seditio, ac dissensio civilis tot tamque illustres familias ab stirpe avertit? Aut quorum unquam victoria animus tam praeceps tamque immoderatus fuit?

4. Lucius Sulla, cui omnia in victoria lege belli licuerunt, tametsi supplicio hostium partes suas muniri intellegebat; tamen, paucis interfectis, ceteros beneficio quam metu retinere maluit. At hercule nunc cum Catone, Lucio Domitio, ceterisque eiusdem factionis, quadraginta senatores, multi



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praeterea cum spe bona adolescentes, sicuti hostiae, mactati sunt: quum interea importunissuma genera hominum tot miserorum civium sanguine satiari nequiverunt: non orbi liberi, non parentes exacta aetate, non gemitus virorum, luctus mulierum, immanem eorum animum inflexit, qui, acerbius in dies male faciundo ac dicundo, dignitate alios, alios civitate eversum irent.

Nam quid ego de te dicam, cuius contumeliam homines ignavissumi vita sua commutare volunt? Scilicet neque illis tantae voluptati est (tametsi insperantibus accidit) dominatio, quanto moerori tua dignitas: quin optatius habent, ex tua calamitate periculum libertatis facere, quam per te populi romani imperium maxumum ex magno



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fieri. Quo magis tibi etiam atque etiam animo prospiciendum est, quonam modo rem stabilias communiasque. Mihi quidem quae mens subpetit, eloqui non dubitabo: ceterum tui erit ingenii probare, quae vera atque utilia factu putes.

5. In duas partes ego civitatem divisam arbitror, sicut a maioribus accepi, in Patres, et plebem. Antea in Patribus summa auctoritas erat, vis multo maxuma in plebe. Itaque saepius in civitate secessio fuit; semperque nobilitatis opes deminutae sunt, et ius populi amplificatum. Sed plebes eo libere agitabat, quia nullius potentia super leges erat; neque divitiis, aut superbia, sed bona fama factisque fortibus nobilis ignobilem anteibat: humillumus quisque in armis, aut militia, nullius honestae rei egens, satis sibi, satisque patriae erat.



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Sed, ubi eos paullatim expulsos agris, inertia, atque inopia incertas domos habere subegit; coepere alienas opes petere, libertatem suam cum republica venalem habere. Ita paullatim populus, qui dominus erat, et cunctis gentibus imperitabat, dilapsus est: et, pro communi imperio, privatim sibi quisque servitutem peperit.

Haec igitur multitudo primum malis moribus imbuta, deinde in artes, vitasque varias dispalata, nullo modo inter se congruens, parum mihi quidem idonea videtur ad capessendum rempublicam. Ceterum, additis novis civibus, magna me spes tenet, fore, ut omnes expergiscantur ad libertatem: quippe quum illis libertatis retinendae, tum his servitutis amittendae cura orietur. Hos ego censeo,



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permixtos cum veteribus novos in coloniis constituas: ita et res militaris opulentior erit, et plebes bonis negotiis impedita malum publicum facere desinet.

6. Sed non inscius, neque imprudens sum, quum ea res agetur, quae saevitia, quaeve tempestates hominum nobilium futurae sint; quum indignabuntur omnia, funditus misceri, antiquis civibus hanc servitutem imponi, regnum denique ex libera civitate futurum, ubi unius munere multitudo ingens in civitatem pervenerit. Equidem ego sic apud animum meum statuo, malum facinus in se admittere, qui incommodo reipublicae gratiam sibi conciliet: ubi bonum publicum etiam privatim usui est, id vero dubitare adgredi, socordiae, atque ignaviae duco. Marco Livio



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Druso semper consilium fuit, in tribunatu summa ope niti pro nobilitate: neque ullam rem in principio agere intendit, nisi illi auctores fierent. Sed homines factiosi, quibus dolus atque malitia fide cariora erant, ubi intellexerunt, per unum hominem maxumum beneficium multis mortalibus dare, videlicet et sibi quisque conscius, malo atque infido animo esse, de Marco Livio Druso iuxta, ac de se, existumaverunt. Itaque metu, ne per tantam gratiam solus rerum potiretur, contra eum nixi, sua ipsius consilia disturbaverunt. Quo tibi, imperator, maiore cura fideque, amici et multa praesidia paranda sunt.

7. Hostem advorsum obprimere, strenuo homini haud difficile est: occulta pericula neque facere, neque vitare,



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bonis in promtu est. Igitur, ubi eos in civitatem adduxeris; quoniam quidem revocata plebes erit, in ea re maxume animum excercitato, uti colantur boni mores, concordia inter veteres et novos coalescat. Sed multo maxumum bonum patriae, civibus, tibi, liberis, postremo humanae genti, pepereris, si studium pecuniae aut sustuleris, aut, quoad res feret, minueris: aliter neque privata res, neque publica, neque domi, neque militiae, regi potest. Nam ubi cupido divitiarum invasit, neque disciplina, neque artes bonae, neque ingenium ullum satis pollet; quin animus magis, aut minus mature, postremo tamen subcumbit. Saepe iam audivi, qui reges, quae civitates, et nationes, per opulentiam magna imperia amiserint, quae per virtutem inopes ceperant. Id adeo haud mirandum est: nam ubi bonus



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deteriorem divitiis magis clarum, magisque acceptum videt, prime aestuat, multaque in pectore volvit: sed ubi gloria honorem magis in dies, virtutem opulentia vincit, animus ad voluptatem a vero deficit. Quippe gloria industria alitur: ubi eam demseris, ipsa per se virtus amara, atque aspera est. Postremo, ubi divitiae clarae habentur, ibi omnia bona vilia sunt, fides, probitas, pudor, pudicitia: nam ad virtutem una, et ardua via est; ad pecuniam, qua quique lubet, nititur; et malis, et bonis rebus ea creatur. Ergo in primis auctoritatem pecuniae demito: neque de capite, neque de honore ex copiis quisquam magis, aut minus iudicaverit; sicut neque praetor, neque consul, ex opulentia, verum ex dignitate creetur. Sed de magistratu facile populi iudicium fit. Iudices a paucis probari, regnum est; ex pecunia legi, inhonestum. Quare



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omnes primae classis iudicare placet, sed numero plures, quam iudicant. Neque Rhodios, neque alias civitates unquam suorum iudiciorum poenituit: ubi promiscue dives, et pauper, ut cuique fors tulit, de maxumis rebus iuxta, ac de minumis disceptat. Sed de magistratibus creandis haud mihi quidem absurde placet lex, quam Caius Gracchus in tribunatu promulgaverat; ut ex confusis quinque classibus sorte centuriae vocarentur. Ita coaequati dignitate, pecunia, virtute anteire alius alium properabit.

8. Haec magna remedia contra divitias statuo. Nam perinde omnes res laudantur, atque adpetuntur, ut earum rerum usus est: malitia praemiis excercetur. Ubi ea demseris, nemo omnium gratuito malus est. Ceterum avaritia bellua fera,



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immanis, intoleranda est: quo intendit, oppida, agros fana, atque domos vastat: divina cum humanis permiscet: neque exercitus, neque moenia obstant, quominus vi sua penetret: fama, pudicitia, liberis, patria, atque parentibus cunctos mortales spoliat. Verum, si pecuniae decus ademeris, magna illa vis avaritiae facile bonis moribus vincetur.

Atque haec ita sese habere, tametsi omnes aequi, atque iniqui memorent, tamen tibi cum factione nobilitatis haud mediocriter certandum est: cuius si dolum caveris, alia omnia in proclivi erunt. Nam hi, si virtute satis valerent, magis aemuli bonorum, quam invidi essent: quia desidia, et inertia, et stupor eos atque torpedo invasit; strepunt, obtrectant, alienam famam bonam suum dedecus existumant.



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9. Sed, quid ego plura, quasi de ignotis, memorem? Marci Bibuli fortitudo atque animi vis in consulatum erupit: hebes lingua, magis malus quam callidus ingenio. Quid ille audeat, cui consulatus maxumum imperium maxumo dedecori fuit? An Lucii Domitii magna vis est, cuius nullum membrum a flagitio aut facinore vacat: lingua vana, manus cruentae, pedes fugaces; quae honeste nominari nequeant, inhonestissuma? Unius tamen Marci Catonis ingenium versutum, loquax, callidum haud contemno. Parantur haec disciplina Graecorum; sed virtus, vigilantia, labos, apud Graecos nulla sunt. Quippe, quum domi libertatem suam per inertiam amiserint, censesne eorum praeceptis imperium haberi posse? Reliqui de factione sunt inertissumi nobiles; in quibus, sicut in statua, praeter nomen, nihil est



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additamenti. Lucius Postumius, et Marcus Favonius, mihi videntur quasi magnae navis supervacua onera esse: ubi salvi pervenere, usui sunt; si quid advorsi coortum est, de illis potissumum iactura fit, quia pretii minumi sunt. Nunc, quoniam, sicut mihi videor, de plebe renovanda, corrigendaque disserui, de senatu, quae tibi agenda videntur, dicam.

10. Postquam mihi aetas ingeniumque adolevit, haud ferme armis, atque equis, corpus exercui, sed animum in litteris agitavi; quod natura firmius erat, id in laboribus habui. Atque ego in ea vita, multa legendo atque audiendo ita comperi, omnia regna, item civitates, nationes, usque eo prosperum imperium habuisse, dum apud eos vera



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consilia valuerunt: ubicumque gratia, timor, voluptas, ea corrupere, post paullo imminutae opes, deinde ademtum imperium, postremo servitus imposita est.

Equidem ego sic apud animum meum statuo: cuicumque in sua civitate amplior illustriorque locus, quam aliis est, ei magnam curam esse reipublicae. Nam ceteris, salva urbe, tantummodo libertas tuta est; qui per virtutem sibi divitias, decus, honorem pepererunt, ubi paullum inclinata respublica agitari coepit, multipliciter animus curis, atque laboribus fatigatur; aut gloriam, aut libertatem, aut rem familiarem defensat: omnibus locis adest, festinat; quanto in secundis rebus florentior fuit, tanto in advorsis asperius, magisque anxie agitat. Igitur ubi plebes senatui, sicuti



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corpus animo, obedit, eiusque consulta exsequitur, Patres consilio valere decet, populo supervacanea est calliditas. Itaque maiores nostri, quum bellis asperrumis premerentur, equis, viris, pecunia amissa, nunquam defessi sunt armati de imperio certare. Non inopia aerarii, non vis hostium, non advorsa res, ingentem eorum animum subegit, quin, quae virtute ceperant, simul cum anima retineret. Atque ea magis fortibus consiliis, quam bonis proeliis, patrata sunt. Quippe apud illos una respublica erat, ei omnes consulebant; factio contra hostes parabatur; corpus atque ingenium, patriae, non suae quisque potentiae, exercitabat.

Ac hoc tempore contra, homines nobiles, quorum animos socordia atque ignavia invasit, ignari laboris, hostium, militiae, domi factione instructi, per superbiam cunctis



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gentibus moderantur. Itaque Patres, quorum consilio antea dubia respublica stabiliebatur, obpressi, ex aliena lubidine huc atque illuc fluctuantes agitantur; interdum alia, deinde alia decernunt: ut eorum, qui dominantur, simultas ac arrogantia fert, ita bonum, malumque publicum existumant.

11. Quod si aut libertas, aequa omnium, aut sententia obscurior esset, maioribus opibus respublica, et minus potens nobilitas esset. Sed quoniam coaequari gratiam omnium difficile est (quippe quum illis maiorum virtus partam reliquerit gloriam, dignitatem, clientelas; cetera multitudo, pleraque insititia sit); sententia eorum a metu libera. Ita occulte sibi quisque alterius potentia carior erit. Libertas iuxta bonis et malis, strenuis et ignavis, optabilis



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est. Verum eam plerique metu deserunt, stultissumi mortales. Quod in certamine dubium est, quorsum accidat, id per inertiam in se, quasi victi, recipiunt.

Igitur duabus rebus confirmari posse senatum puto: si numero auctus per tabellam sententiam feret. Tabella obtentui erit, quo magis animo libero facere audeat: in multitudine, et praesidii plus, et usus amplior est. Nam fere his tempestatibus, alii iudiciis publicis, alii privatis suis atque amicorum negotiis implicati, haud sane reipublicae consiliis adfuerunt: neque eos magis occupatio, quam superba imperia distinuere. Homines nobiles cum paucis senatoris quos additamenta factionis habent, quaecumque libuit probare, reprehendere, decernere, ea, uti lubido tulit,



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facere. Verum ubi, numero senatorum aucto, per tabellam sententiae dicentur; hae illi superbiam suam dimittent, ubi iis obediundum erit, quibus antea crudelissume imperitabant.

12. Forsitan, imperator, perfectis litteris desideres, quem numerum senatorum fieri placeat; quoque modo in multa et varia officia distribuantur; et quoniam iudicia primae classis mittenda putem, quae descriptio, qui numerus in quoque genere futurus sit.

Eam hi omnia generatim describere, haud difficile factu fuit; sed prius laborandum visum est de summa consilii, idque tibi probandum verum esse: si hoc itinere uti decreveris,



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cetera in promtu erunt. Volo ego consilium meum prudens, maxumeque usui esse; nam ubicumque tibi res prospere cedet, ibi mihi bona fama eveniet. Se me illa magis cupido exercet, uti quocumque modo, et quam primum respublica adiuvetur. Libertatem gloria cariorem habeo, atque ego te oro, hortorque, ne clarissumus imperator, gallica gente subacta, populi romani summum atque invictum imperium tabescere vetustate, ac per summam discordiam dilabi, patiaris.

Profecto, si id accidat, neque tibi nox, neque dies, curam animi sedaverit, quin insomniis exercitus, furibundus, atque amens alienata mente feraris. Namque mihi pro vero constat, omnium mortalium vitam divino numine invisi;



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neque bonum, neque malum facinus cuiusquam pro nihilo haberi: sed ex natura, diversa praemia bonos, malosque sequi. Interea forte ea tardius procedunt: suus cuique animus ex conscientia spem praebet.

13. Quod si tecum patria, atque parentes possent loqui, scilicet haec tibi dicerent: “O Caesar, nos te genuimos fortissumi viri, in optuma urbe decus, praesidiumque nobis, hostibus terrorem: quae multis laboribus et periculis ceperamus, ea tibi nascenti cum anima simul tradidimus, patriam maxuma in terris; domum familiamque in patria clarissumam; praeterea bonas artes, honestas divitias; postremo omnia honestamenta pacis et praemia belli. Pro his amplissumis beneficiis non flagitium a te, neque



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malum facinus, petimus; sed uti libertatem eversam restituas: qua re patrata, profecto per gentes omnes fama virtutuis tuae volitabit. Namque hac tempestate, tametsi domi militiaeque praeclara facinora egisti, tamen gloria tua cum multis viris fortibus aequalis est: si vero urbem amplissumo nomine, ex maxumo imperio, prope iam ab occasu restitueris, quis te clarior, quis maior, in terris fuerit? Quippe si morbo iam, aut fato huic imperio secus accidat; cui dubium est, quin per orbem terrarum vastitas, bella, caedes, oriantur? Quod si tibi bona lubido fuerit, patriae, parentibus gratificandi; postero tempore, republica restituta, super omnis mortales gloria agnita, tuaque unius mors vita clarior erit. Nam vivos interdum fortuna, saepe invidia fatigat: ubi anima naturae cessit, demtis obtrectationibus, ipsa se virtus magis magisque extollit.”

Quae mihi utilia factu visa sunt, quaeque tibi usui fore credidi, quam paucissumis potui, perscripsi. Ceterum deos immortalis obtestor, uti, quocumque modo ages, ea res tibi reique publicae prospere eveniat.












The Carolingian – culture, arts, æsthetics



Quidnam Dextrae Partes?


Quidnam Dextrae Partes?
Res hodiernae se habent ut dextrae partes semper voluerunt. victo communismo ubique libera mercatura regnat. libertas talis est qualis paucorum monopolium fert. Imago: Donald Trump, Pixabay.




2021 I


Quidnam Dextrae Partes? Rei Publicae Contionatores

Re publica conspecta locus partium usitatus deest. nam mos dextrarum erat rem oeconomicam capessere liberamque mercaturam fovere. Gregorius Advena


Schiffbruch eines Neo-Platonikers: Synesios’ Fünfter Brief

Schiffskatastrophen sind keine Seltenheit, und doch kommt vielen, wenn es um Schiffbruch geht, zuerst der Gedanke an Fiktion. Christoph Wurm


Artifex Ratio Simulata: Cum Coepit Imagines Componere

Eo tempore ratio simulata non modo rationes mathematicas solvit. novatis computatris machinae ingeniosa quoque imitantur. Gregorius Advena


Le Cocu Éclairé: Lettre d’Armand, Beauté de l’Amour IV

Après tant de temps, une image oubliée ressurgit en mon esprit et soudain la vérité m’attrista : c’est que jadis Aurélia me trahit ! Georges Louis


Der Blubberblasenblues: Wenn Literatur Nicht Sein Darf

Wichtig ist mir die Frage, wie Joe Biden die USA aus dem Sumpf der Spaltung der letzten Jahre herauszuführen gedenkt. Markus Jäger


The Carolingian 2020: Articles and Essays

The contributions from the last year are still available. This is a good chance to read them if you haven’t yet. The Carolingian








Folium II, 2021 I





Quidnam Dextrae Partes?

REI PVBLICÆ CONTIONATORES

Gregorius Advena


Quidnam Dextrae Partes?

ESSAY



Re publica conspecta locus partium usitatus deest. nam mos dextrarum erat rem oeconomicam capessere liberamque mercaturam fovere. itaque maxima cura in bonorum effectione ponebatur ut maximum daret lucrum. res diutius causa dissensionis cum sinistris largitionis advocatis fuit. Romae disputatio inter populares et optimates erat, quae mutatis mutandis de re oeconomica agebatur. deinde ubique aucto incolarum numero novissimisque modis communicationis mala instrumenta mores malos tulerunt. cum antea persuasio causa atque argumentis facta, postea violentia verborum rem publicam diripuit. ubiubi intueris animadvertis quo plures audientes celerrime persuadendum esse eo viliorem fuisse orationem. contionatores natura praeter modum loquentes mutatis rebus vel ferocius magistratum petunt, qui famam gratiam potestatem re publica cariores aestimant. igitur cum nova plebs



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consueto sermone non commoveatur, venenatis verbis invidia atque odium nova arma politica fiunt. animum potius quam rationem adeunt, illum perturbatum, eam alienatam. omnibus comitiis studium magistratuum ac pecuniarum gerit insidiosam opinionum inculcationem, quarum sententiarum si syllabum fingis capita dicunt:



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Quae nunc sunt placita generalia, si quis abhinc XX annos dixisset in nosocomio receptus. tribunus quidam negat hominem lunam ingressum esse, orbem affirmat esse planum auribusque popularibus gaudet. vexillo dextro ab hominibus flagitiosissimis abducto nunc creantur moderatores civilium rerum ipsi contionatores.

Res hodiernae se habent ut dextrae partes semper voluerunt. victo communismo ubique libera mercatura regnat. libertas talis est qualis paucorum monopolium fert. itaque negotium computatrum lucrum indebitum sumit, omnia alia pessum eunt. invita operis vacatio sequitur, miseria iniquitas eversio rei publicae. vetus argumentum modo patriciatui placet: si laborarent non essent pauperes. sed plebs carens dissentit. cuius suffragium magistratui necessarium est. igitur partibus dextris duae sunt optiones, aut vetera scita negare, aut orationem mutare. at scita negare idem valet



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ac se in errore confiteri, quo facto diminuta fama plebem alienarent. pro eo de re oeconomica mercatuque tacent. miseriae atque operis vacationis alias causas quaerunt, non veras, sed aptas ad turbam inflammandam. domi retique theorias coniurationis declamant, invidiam in fictos hostes inculcant. victimae sunt omnes humano cultu lingua religione diversi. quos premit incommodum operis carentiae primi credunt, ipsa diversitas fit inimicorum signum. mundus vult decipi, ergo decipiatur. plebs in bona spe capitur, cuius simplicia decreta sunt: “mundus est bonus quasi Deo creatus, avita ordo rerum bona, antea omnia proba beatique omnes erant. res mutare violat ordinem, sat est suum quisque laborem in pace faciat, tunc omnia se bene habebunt.” quod contionatores animadvertunt. in studiosos climatis mutationem explicantes invectivam orant,



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quia intellegunt plebis absconditum animum: “is mundus mirus non potest tam malus esse ac studiosi dicunt, nam Deus bonus est, natura benevolens sapiens. ergo oratio de calei mutatione rem praeter modum amplificat.” cum ita cogitas, de reliquis idem. item putas nuntia de coronae viro res augere. porro qui queruntur de iniquitate ac miseria, qui operariis, mulieribus, marium amatoribus, minoribus civium partibus iura petunt, ii concives mox exaggeratores ducis. ubi omnis homo domi vel ruri quiete laborare, incommodum civium abire. liberam mercaturam rem miram. sat est alienos quaestus rapientes expellere ut prosperes.

Dextrarum notio mundi tam simplex bona spe nititur. incipit naturae laudatione religiosa modo modo historica. funditus metaphysica opinio: “in principio probitas res et naturales et humanas gerebat. quo ordine aliquando



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corrupto oportet res publica ad principium revertatur, quod paucis decretis assecuturum. itaque boni cives sunt morum fautores. adversus res novas consilium est conservare usitatas, quibus patres ac veteres beati.” exemplum apud antiquos erat ager sine libidine terram colens. nostrae aestatis exemplum virtus mercatoris, qui pauper natus recto paulatim labore dives fit. non esse beatitudinem quae labore non assequatur. salutem rei publicae simplicem esse, inter nationes colatur libera mercatura. patria rem ita gerente omnia mala in bona solvuntur.

Difficultas oritur cum plebi carenti suadendum est. secundum dextras non est rei publicae civi quaestum dare. omnis civis est suum quisque negotium invenire. quomodo id fiat, res privata. igitur si quaestu cares, cuius solus in culpa es. tamen oratio, etsi plebi fortunatae grata,



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apud carentes iram parat. alio modo enim petentes, contionatores animum miserorum ad rem obscuram ducunt, quam immodice augentes ut causam incommodi increpant. ita subito nova origo invenitur carentiae, scilicet alieni advenae perfugae. quibus autem expulsis carentia manet, mendacio vilium tribunorum exposito. advenis expulsis proxima victima domi est. inter vicinos misera pars inventu facile est, quam propter quoddam discrimen vel facilius est odisse. itaque tribuni cives tamquam odii merces moderant huc modo modo illuc ducentes. domi omnia delenda sunt potius quam res publica largitionem in plebem cedat. contradicta in promptu sunt. non potes mane mercaturam liberam laudare et noctu globalismum damnare. iuvenes, qui dextras meliore tempore non noverunt, vident quod ex his partibus relictum: ergasterium invectivarum, omni industria in inflammatione posita. nec plura volunt



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voluptatem quaerentes. sic dextrae, cum panem dare nolint, circenses dant: Marina Le Pen, Matteo Salvini, Donald Trump eorum histriones, quorum iocus suffragia capit. Plato vere dixit victoriam secum insolentiam ferre. dextrae communismo deleto nunc sese ipsae delent. nec mirum quod Marina contionatrix ne vexillum quidem dextrarum libenter fert. ubi verba tacent gesta ipsa loquuntur.

Bonum consilium non caret nefas verbis, sed Donald Trump dissentit. mulieres, ut ait, libenter per vaginam capit, sed in stupro sunt Mexicani. servitutem laudantes bonos vocat. comitia cum non vixit fraude capta dicit. saevibus arma ferentibus vel plura promittit. illum insanum insanus ille Salvini adit. naves perfugarum appelli non sinet, ut in mare nigri mergant. non finit dies antequam plebe plaudente



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omnem orbis gentem maledicat. exercitus non pedibus iter facit, domi vero adulescentuli interrete rem publicam inflammant probosque minis caedis terrent. sic degenerata sunt post saecula dextrae partes: causas publicas non ad forum, ad arenam ferunt. multitudini pauperum pane quaestuque spoliatae circenses manent, quibus plebs venenata ne plura quidem cupit. agitati famem non pane sed odio sedant. igitur tantum fit motum ut obliviscantur causae carentiae. interim partes sinistras comitia amittunt, quid mirum, quod candidatus nequit ut gladiator arma exhibens clamitare. eius virtus eius fatum.

Oratione de oeconomia non satis, dextrarum fautores invectivas dicunt de cultu civili. quae moderni bella morum vocant. Americae extollunt alborum mores contra nigrorum, in Francia civium avitorum contra Saracenos. gens migrata



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sese male habet. hae sunt dextrae partes, id dicunt, id faciunt. at ira orationum simulata, vita cultusque alborum vel nigrorum res aliena. ne orator quidem orationem credit, nam ubi loquaces creati sunt moderatores, gesta non sequuntur verba. ille Matteo Salvini ferocissumus nullum expulit advenam. Donald Trump ne locum quidem muri constructuri sciebat. Marina contionatrix quae canis multum latrat parum mordet. nemo aestimat gentem migratam esse verum malum civile. cuius vita ac negotia scilicet minina contionatorum cura. suum est tantummodo comitiis causas quaerere ad vacuas inflammationes ferendas. cum plebs carens fallaciam animadvertit, moderatores iam creati. qui loquaces proximis comitiis novas fabulas dicent quo invidia denuo agitetur. quamvis contio mendax ab utrisque possit partibus adhiberi, eo tempore dextrae vehementius re



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publica abutuntur. sinistrae adhuc nimio timidae sunt ad nova communicationis fora tali insidiae abhibenda. a sinistris adhuc non dictum orbem planum esse.

Numero incolarum augente plebs migrata pariter auget quae civitates optat prosperiores. recte disceptatur de numero migratorum ac migrandi modo, ut res publica tam gentem avitam quam novam agnoscat. sed nuper fautores odii argumenta afferunt factiosa. partem migratam velle rem publicam rapere, cultum civile pro barbaro evertere, opes quaestus munera privata publicaque furari. Vandalorum novam incursionem imminere. sunt enim Italicum et Francicum argumentum. illud dicit incommodum migratorum non esse cultum sed quod e manibus nativorum munus tollunt. contra dicit Francicum argumentum difficultatem cultum esse, quod apud Francos Gallicos



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res publica religio est. itaque Saracenus quidam etsi munus accipiens dives fit ac vectigalia pensitat, tamen alienus manet. qui incusatur rei publicae scita contemnere, quia forsitan prophetam credit. nam invidia Gallica in migratos non ad rem, sed ad animum attinet. cum subit bonorum memoria temporum lapsorum, contionatores Saracenos increpant. quibus e patria defensis rei publicae nova gloria salusque erit. at civitates quibus parum est gens migrata non se melius gerunt. satis est Finniam Islandiam Norvegiam intuere. quas litteras colunt, quam musicam audiunt, quos libros legunt, quid humani agunt? mehercule, cives sunt tam mediocres ac Italiae et Franciae. nec Turcorum tandem absentia pellit ad Platonem legendum. quaerendum est a Gallicis quae nova gloria expulsionem gentium secutura, nam pro dis immortalibus: quid necesse talia exspectare? nonne potest iam litteras colere quicumque vult?



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Dictum populare est antea bona tempora fuisse, sed studiosi mentis causam explicant: praeterita laudando se fortiorem quisque putat. praeteritum tempus semper peius fuit. flagitiosi tribuni fortitudinem cum insolentia permiscentes omittunt bonis temporibus rem publicam pauperiorem fuisse. nam primum libenter laudant poetas eruditos avitosque cultos omnis generis, deinde praetermittunt an tempore vivere vellent quo minima pars legeret, vita in perarduis laboribus acta ubique incommodis ac miseria circumventa. nam aliud est laudare cultam Galliam Francisco quodam Hloduvicove rege, aliud ibi vivere. quod gente migrata quadam expulsa subito Europa fit eruditior tantummodo in vilis tribunorum verbis accidit. admirandum porro est: fautores melioris cultus rem publicam a migratorum vi servare cupiunt dum populares



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Americae mores silentes accipiunt. si librum Coranum legere barbarorum est, quid tandem stulta carmina canere fabulasque cinematographicas dementes spectare?

Sed periti in rebus amplificandis censuram iustam abiciunt et contra modicos cives agitant, quos nuper nomine “islamogauchiste” gravant. ita omni plebi ulteriores dantur circenses. quodsi tacerent mox animadverterent ridiculum bellum cultus civilis nullo usui, iam satis consilia legesque decreta pro salute rei publicae servanda. inspectis sine invidia rebus patet una difficultas: quod magistri fidei ex Asia in Europam mittuntur ad suo modo rem publicam capissendam. profecto omni civi licet rem capissere, sed ubi magistri vero secreti magistratus alienorum regum fuere, munus fallaciosum est. igitur in Austria, Germania alibique



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lex est ut magistri in loco edocti creentur, qui re publica examinante rei publicae decreta colant. Arabia Aegyptus Turcia Persia magistros suos sibi teneant ut solet. ita colitur omnis fides in Arabia ut Arabes et Romae ut Romani. attamen quid dicimus? nihil defendit odium simulatum dextrorum fautorum, nova dextra nil potius quam odium. non quaerit veritatem, magistratum petit. contra opinionem praeiudicatam disputandum non est. neque ulla plebs ei obviam ibit dummodo tam seditiosis pompis circensibus capta.

Communismo sublato dextris partibus nulla vetus oratio manet. quibus olim dictum est finem socialismi maiorem sequi prosperitatem, nunc vident pauperes plures ac vel pauperiores. “labore dives fis” non est consilium. promissa salutis monopolio deleta. negotium computatrorum paucos iuvat, quo sumptu societates mercatoriae et discrimine et viro saevientibus divitiores fiunt. partibus dextris si probae essent nunc agnoscendum esset monopolium rem publicam iniquiorem fecisse. sed ita agnoscerent consuetum argumentum falsum esse, quod facere nequeunt. igitur pergunt verbis venenatis homines deosque aggredi.














Folium III, 2021 I





Schiffbruch
eines Neo-Platonikers

DER FÜNFTE BRIEF DES SYNESIOS VON KYRENE:
DOKUMENT UND SPRACHKUNSTWERK

Christoph Wurm

chrwurm@aol.com | christophwurm.de


ARTICLE



Schiffskatastrophen aller Art sind keine Seltenheit, und doch wird in unseren Tagen vielen Menschen, wenn es um Sturm, Schiffbruch, Piraterie geht, zuerst der Gedanke an Roman und Film kommen, etwa an Hollywood-blockbusters wie James Camerons Titanic. In der Antike dagegen waren solche Ereignisse vor allem eins: alltägliche, reale Gefahren, jeden Schiffsreisenden schreckend. Dreimal, so berichtet etwa ein Vielgereister, der Apostel Paulus, habe er Schiffbruch erlitten (τρὶς ἐναυάγησα), eine Nacht und einen Tag trieb er mitten auf hoher See, und es ist kein literarisches Stilmittel, wenn er diese Strapazen im selben Atemzug wie Auspeitschung und Steinigung erwähnt (2. Kor 11:25,26).1

Noch dem 19. Jahrhundert standen Nautik, Navigation und Meeresgefahren der Antike weitaus näher als uns. Jenes Jahrhundert war es ja auch, das den größten Schriftsteller des Meeres und der Seefahrt hervorgebracht hat, Joseph Conrad (1857-1924), dessen Erfahrungen als Seemann und Kapitän ihn zu packenden Schilderungen von Segelschiffen im Sturm befähigten.



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1885 machte Arthur Breusing (1818-1892), der Direktor der Bremer Seefahrtsschule, den in Kapitel 27 und 28 der Apostelgeschichte des Lukas geschilderten Schiffbruch des Paulus zum Gegenstand einer ausführlichen Analyse. In seinem Werk „Die Nautik der Alten“2 untersucht er, wie im vorherigen Kapitel die Odyssee Homers, den Bericht in strikt nautischer Hinsicht. Breusings Ausführungen sind deshalb so wertvoll, weil er aus der genauen, da professionellen Kenntnis der Seefahrt seiner Zeit heraus schreibt.

Er nennt den Bericht des Lukas das wertvollste uns aus dem Altertume erhaltene nautische Dokument. Jeder Seemann, so Breusing, sehe ihm an, und zwar auf den ersten Blick, dass die Beschreibung der Paulusreise nur von einem Augenzeugen verfasst sein kann.3 In einem 2021 erschienenen Buch teilt der Exeget Marius Reiser Breusings Einschätzung aus dem Jahre 1885: „Hinsichtlich der Fülle und Exaktheit nautischer Angaben und Einzelheiten steht dieser Bericht in der Antike einzigartig dar.“4 Den Begriff ,Motive‘ meidet Reiser, denn von ,romanhaften Zügen‘, die viele Exegeten in dem Text zu finden meinen, kann keine Rede sein.



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Es ist ein sachlicher Bericht. Das Erlebte will Lukas sorgfältig wiedergeben, ohne sich an den Ökonomiekriterien fiktionalen Erzählens messen zu wollen. Das ist auch der Grund dafür, dass in die sogenannten Wir-Stücke der Apostelgeschichte, in denen er in der ersten Person Plural schreibt, da er sie als Augenzeuge verfasst hat, Details einfließen, die keinen narrativen Nutzen besitzen, wohl aber dokumentarischen Wert.5

In seinem Buch erörtert Reiser auch die grundlegende Frage nach Wahrheit und Fiktion in Geschichtserzählungen,6 darauf wird später noch zurückzukommen sein.

In der antiken Literatur gibt es mehrere andere Berichte, kurze und ausführliche, die reale Sturm-Erfahrungen oder Schiffbrüche, außerhalb der Dichtung (Homer, Vergil, Horaz etc.), behandeln.



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Eine Parallele zur Landung auf Melite7 im Sturm ist der Bericht des byzantinischen Historikers Prokop in seinen ,Gotenkriegen‘ (3,40), wo er darauf eingeht, dass das Schiff des Heerführers Artabanes im Sturm den Mast verlor und durch die Strömung der Adria – gemeint ist eindeutig die Adria im modernen Sinne, nicht das Ionische Meer –8 nach Melite – gemeint ist eindeutig Malta – getragen wurde, so dass Artabanes wider Erwarten (ἐκ τοῦ ἀπροσδοκήτου) mit dem Leben davonkam.

Es handelt sich nicht um den Erlebnisbericht eines Beteiligten, sondern der Historiker spricht ausschließlich in der dritten Person, nicht erzählend, sondern konstatierend.



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Auch Flavius Josephus liefert im dritten Buch seiner Lebensbeschreibung einen Bericht über einen von ihm erlebten Schiffbruch auf der Fahrt nach Italien. Von dem Rhetor Aelius Aristides, dem Verfasser der berühmten Romrede, besitzen wir eine farbige Schilderung der von ihm durchlittenen Strapazen auf der Fahrt von Rom nach Smyrna, die durch ein Brustleiden fast bis zur Unerträglichkeit gesteigert wurden.9

Eine ausführliche, anschaulich formulierte Schilderung von Seereise und Schiffbruch bietet auch der 5. (nach früherer Zählung 4.) der 156 uns erhaltenen Briefe des Synesios von Kyrene (ca. 370-413 n. Chr.).10 Von allen zuvor erwähnten Texten unterscheidet sich diese Schilderung fundamental durch den Charakter des Privatbriefs und, dadurch bedingt, die subjektive Perspektive auf das reale Geschehen. Und, ebenfalls im Unterschied zu allen anderen genannten Texten: Synesios würzt seine Schilderung mit einem kräftigen Schuss Humor.



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Der Inhalt: Um die Wende zum 5. Jahrhundert schreibt der spätere Bischof von Ptolemais einen Brief an seinen älteren Bruder Euoptios in Alexandria, in dem er von den Abenteuern zur See berichtet, die er auf dem Heimweg von Alexandria in die Kyrenaika erlebt hatte. Synesios war als Gesandter seiner Heimatprovinz nach Konstantinopel zum Hofe des jungen Kaisers Arcadius gereist, seit 395 Alleinherrscher der östlichen Reichshälfte.

Das Schiff, auf dem Synesios die letzte Etappe seiner Heimreise antrat, war klein, der Kapitän, der syrische Jude Amarantos, hatte zwölf Seeleute. Er war verschuldet und hatte alles Ersatzmaterial verkauft; das Schiff besaß daher nur noch einen Anker und ein einziges Segel. An Bord waren mehr als 50 Passagiere. Schon im Hafen lief das Schiff zwei oder drei Mal auf Grund, ein schlechtes Omen, das Synesios veranlasst hätte auszusteigen, bevor die eigentliche Fahrt überhaupt begann – hätte er nicht den Spott des Bruders über seine Zaghaftigkeit gefürchtet.



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Der Kapitän und mehr als die Hälfte der Besatzung waren Juden, was Synesios zu der Bemerkung veranlasst, die Juden seien ein γένος ἔκσπονδον καὶ εὐσεβεῖν ἀναπεπεισμένον ἢν ὅτι πλείστους ἄνδρας Ἓλληνας ἀποθανεῖν αἴτιοι γένωνται (24ff.: ein ausgestoßener Menschenschlag, der davon überzeugt ist, ein frommes Werk zu tun, wenn er möglichst viele Griechen in den Hades schickt). Die restliche Crew habe aus Nichtjuden bestanden, aus Bauern, die noch vor Jahresfrist kein Ruder in der Hand gehalten hätten. Dass die Matrosen einander nach kerniger Seemannsart11 mit karikierenden Spitznamen wie Lahmer oder Schieler anreden, trägt zunächst zur Erheiterung der Passagiere bei, dann, in der Stunde der Gefahr, zu Ernüchterung und Misstrauen.



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Zunächst nimmt das Schiff seinen Kurs direkt auf Taphosiris, wo es beinahe auf die Klippen gerät. Dann fährt es, als sich ein starker Südwind erhebt, auf die hohe See hinaus. Auf die Forderung des Synesios, den Kurs in mäßiger Entfernung vom Land direkt auf die Pentapolis zu nehmen, antwortet der Kapitän schroff ablehnend.

Dezidiert haben in diesem Streit Kenner der antiken Seefahrt Partei für den entnervten Skipper ergriffen, dem eine Landratte bar jeder nautischen Kenntnis Ratschläge erteilt habe! It was a typical conflict between the landsman who wanted the reassuring sight of land, and the seaman who knew that coastal sailing was full of hidden dangers.12 Lionel Casson hat das Verhalten des Kapitäns folgendermaßen gerechtfertigt:



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Es erhebt sich nun ein starker Nordwind und gibt mit heftigem Stoß dem Segel eine entgegengesetzte Richtung. Das Schiff drohte umzuschlagen, aber Amarantos beruhigt die Passagiere.

Dass es in Krisensituationen darauf ankam, sich des Wohlverhaltens der Passagiere zu versichern, geht auch aus anderen antiken Quellen hervor. So beklagt etwa bei Lukian von Samosata (120 – 180) kein Geringerer als Charon, der Fährmann der Unterwelt, im Dialog mit Hermes höchst realistisch das unbotmäßige Verhalten von Passagieren im Sturm (Charon, 3). Lukas berichtet in der Apostelgeschichte, während der Fahrt des Gefangenen Paulus nach Rom hätten der ναύκληρος (Schiffseigentümer), der κυβερνήτης (Kapitän) und Paulus in einer Krisensituation an einer Unterredung teilgenommen,



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die von dem den Gefangenentransport durchführenden Hauptmann geleitet worden sei. Dass ein Passagier, noch dazu ein Gefangener, hinzugezogen wurde, mag überraschen, es war aber nützlich, einen besonders erfahrenen und respektierten Passagier zu beteiligen.

Bei Anbruch der Nacht wirft sich der Kapitän Amarantos nieder. Die konsternierten Passagiere meinen, er verzweifle an seiner Aufgabe – des Rätsels Lösung: Es ist die Nacht vor dem Sabbat, und er weigert sich zu arbeiten.

Die Wellen schlagen nun immer höher. Da droht einer von mehreren mitfahrenden arabischen Kavalleristen,14 ihm mit seinem Säbel den Kopf abzuschlagen. Der Kapitän aber liest weiter in „der Schriftrolle“ (109f.: τὸ βιβλίον ἐπανεγίνωσκε), dem Pentateuch. Synesios empört sich: Ein Skipper als Gesetzeslehrer, als νομοδιδάσκαλος!



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Um Mitternacht schließlich nimmt er, der ,Makkabäer‘ (115), seine Tätigkeit wieder auf, mit der Begründung, nun allerdings bestehe echte Lebensgefahr und er sei daher von der Wahrung der Sabbatruhe suspendiert. Der Skipper hatte offensichtlich mit einer weniger gefährlichen Reise gerechnet und vorgehabt, für die Dauer des Sabbats das Schiff seinen nicht-jüdischen Seeleuten anzuvertrauen.

Als das Schiff, auf dem Synesius fuhr, vom Sturm überfallen wurde; [sic] mußte man mit dem vollen Segel lenßen, d. h. vor dem Winde dahin fahren, denn wegnehmen oder aufgeihen konnte man es nicht, weil die Taue durch die Feuchtigkeit aufgequollen waren und nicht über die Scheiben in den Blöcken laufen wollten, sich bekniffen wie wir sagen.15



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Als es Tag wird und der Sturm nachlässt, landet man nach kaum vier Stunden an einem abgelegenen Punkt. Das Schiff muss auf hoher See Anker werfen, denn einen Hafen hat die Landungsstelle nicht. Man bleibt zwei Tage in dieser Ödnis. Da kein Weg ins Landesinnere führt, bricht man mit Sonnenaufgang des vierten Tages auf und fährt diesen und den folgenden Tag weiter.

Am Abend erhebt sich ein neuer Sturm, es beginnt, heftig zu regnen, und die Segelstange zerbricht. Das Schiff läuft um den zweiten Hahnenschrei plötzlich auf einen Felsen auf, der vom Land vorspringend eine Art Halbinsel bildet. Bei Tagesanbruch kommt ein ländlich gekleideter Greis in einem Boot, begibt sich an Bord und übernimmt als Lotse die Lenkung des Schiffes. Er bringt es in einen Hafen namens Azarion, irgendwo zwischen Alexandria und der Kyrenaika. Derselbe Mann leistet auch fünf Frachtschiffen Lotsendienste, am folgenden Tag kommen noch alexandrinische Schiffe in den Hafen.



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In Azarion war es, wo Synesios sieben Tage nach seiner Ankunft seinen Brief verfasste. Er war noch nicht endgültig aus der Gefahr; wie er von dort nach Hause, πρὸς τὴν μητέρα Κυρήνην (15f.: zur Mutter Kyrene), gelangte, ist nicht überliefert.

Der Greis zeigt auf die Felsen und sagt, Frühstück und Hauptmahlzeit (δεῖπνον) für jeden Tag seien dort verborgen (240ff.). Die Meerestiere, die den Gestrandeten Nahrung und Überleben sichern – das ist ein Motiv, das dem modernen Leser als festes Element jeder Robinsonade vertraut ist. Überhöht – und zwar mit den Augen des gourmet – wurde es von Jules Verne in seinem L’Oncle Robinson (dt.: Onkel Robinson) verwendet. Dort empfinden die Schiffbrüchigen,



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umgeben von Austern, den Inselaufenthalt als kulinarisches Abenteuer, ja der bloße Anblick einer Meeresschildkröte löst Gaumenkitzel aus!16 Später werden die Passagiere des in Azarion gestrandeten Schiffs von den Küstenbewohnern noch zusätzlich mit vielfältigem Proviant versorgt.

Seine Abreise aus Konstantinopel hat Synesios in einem anderen Brief (LXI) überliefert. Fluchtartig hatte er die Stadt verlassen, als ein Erdbeben ausbrach. Ἐν ᾧ νομίσας ἐγὼ τὴν θάλατταν τῆς γῆς άσφαλέστερον κατατείνω δρόμον ἐπὶ τὸν λιμένα. (12ff.: Währenddessen laufe ich zum Hafen hinab, da ich das Meer für sicherer halte als die Erde.)



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Dass alle Ereignisse aus der subjektiven Sicht des Synesios geschildert und bewertet sind, bedeutet nicht, dass es sich um Erfindungen handelt. Merkwürdigerweise hat eine seiner Aussagen zum Gesamtcharakter der Geschehnisse zu der Behauptung geführt, es handele sich zumindest hauptsächlich um Fiktion zum bloßen Zwecke der Unterhaltung:

Τοῦτό σοι δρᾶμα ἐκ τραγικοῦ κωμικὸν ὅ τε δαίμων ἡμῖν ἐνήρμοσε κἀγὼ τοῖς πρὸς σὲ γράμμασι. (296f.: Dieses tragikomische Drama [vom tragischen zum komischen werdende Drama] hat ein Daimon für uns zusammenfügt, und auch ich für Dich in diesem Brief).



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Diese Stelle belege, der Brief sei primär un exercice littéraire (...) destiné, d’abord et avant tout, à plaire et à divertir .17 Der Verfasser des Briefes selbst sagt hier das genaue Gegenteil! Er sei Sprachrohr, der Daimon dagegen sei es, der als Regisseur das Geschehen zu einem – realen – Ganzen fügte, zu einem Drama. Auch die Tragikomik der Ereignisse gehe auf den Daimon zurück, sie sei dem Geschehen inhärent.

Synesios erhebt also den Wahrheitsanspruch für den Briefinhalt. Dazu kommt die reale Kommunikationssituation. Der Brief hatte die doppelte Funktion, seinen Bruder über die Fakten der Reise zu unterrichten und dem Verfasser als Gedächtnisstütze zu dienen. Außerdem tragen die geschilderten Ereignisse den Stempel der Wahrscheinlichkeit.



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Ein bloßer exercice littéraire? Darin kann man eine Parallele zur verbreiteten Rezeption des Lukas-Berichtes in der Apostelgeschichte sehen. Es handelt sich um dieselbe unangemessen-reflexhafte Weigerung, den Text ,beim Wort zu nehmen’.

Es mag sein, dass diese Skepsis in der anfangs erwähnten Assoziation gegenüber Sturm, Schiffbruch, Piraterie mit Roman und Film ihre Wurzel hat; im mainstream der gegenwärtigen Rezeption der Apostelgeschichte ist sie Teil eines viel umfassenderen Phänomens: Die historisch-kritische Exegese tut sich mit historischer Forschung schwer. Das hat verschiedene Gründe. Am meisten aber hindert sie daran, wenn ich recht sehe, ihr Misstrauen gegenüber der historischen Glaubwürdigkeit der Evangelien und der Apostelgeschichte.18



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Wahre historische Erzählungen? Reiser legt anhand zahlreicher Beispiele dar, dass eine ,objektive‘ Reproduktion realer Ereignisse gar nicht möglich ist, dass prinzipiell immer die wertenden Vorentscheidungen, subjektiven Präferenzen, Schwerpunktsetzungen des ,Berichtenden‘ in seine Darstellung einfließen müssen und, untrennbar eingeschmolzen, in ihr verbleiben, dass daher die Grenze zwischen Geschichtsschreibung und historischem Roman fließend ist. In die Geschichtserzählungen des Neuen Testaments ist darüber hinaus Symbolik eingewoben – was nie dazu verleiten sollte, diese Erzählungen als faktisch substanzlos zu diskreditieren.19



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Ein Privatbrief, für den eigenen Bruder bestimmt und zugleich literarisch geformt, bietet ebenfalls keine ,objektive‘ Reproduktion der Ereignisse. Alle literarischen Referenzen, komischen Akzente, Introspektionen des Synesios ändern jedoch nichts daran, dass er ein Geschehen realistisch und in den Einzelheiten plausibel darstellt.

Nicht in unmittelbarer Bedrängnis oder in atemloser Erregtheit hat Synesios den Brief verfasst, sondern in einer Mußephase der Reflexion. Stil und Erzählweise sind daher ausgefeilt. Wortgewaltig schildert er den Sturm, während dessen der Kapitän ungerührt in seiner Schriftrolle liest (97ff.):



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Unmittelbar nach dieser Schilderung betont Synesios selber, wie überlegt er die Stilebenen wählt (102-104): Ἔδει γάρ μοι καὶ φλεγμαινόντων ὀνομάτων ἵνα μὴ τὰ μεγάλα κακὰ μικροπρεπέστερον διηγήσωμαι. (Ich muss nämlich einen flammenden Stil verwenden, um die großen Übel nicht untertreibend darzustellen.). Er will eine Abschrift des Briefes als Dokumentation der Ereignisse in sein Tagebuch einfügen (301ff.)



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Der Brief ist als lebendiger Dialog mit dem Bruder Euoptios gestaltet, den Synesios als Spötter darstellt. Er neige dazu, sich über Schwächen und Missgeschicke seines jüngeren Bruders zu lustig zu machen. Der Brief solle ihm zeigen, dass die Ereignisse der Reise kein Grund für Amüsement sind. Im Verlaufe des Briefes wird jedoch deutlich, dass sein Verfasser sich in allen Fährnissen seinen Sinn für Humor bewahrt hat und nicht nur seine Strapazen mit dem Bruder teilt, sondern auch eine Reihe komischer Beobachtungen. Gerade dadurch, dass der Verfasser die Ereignisse mit dem spöttischen Blick des Bruders zu sehen vermag, zeigt er Distanz und Souveränität. An Unmittelbarkeit und Frische übertrifft der Text bei weitem die Brief-Konstrukte des jüngeren Plinius.



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Synesios beschränkt sich nicht auf eine lineare Schilderung der Ereignisse, sondern gewährt dem Leser auch Einblicke in das eigene Herz. Außerdem fügt er immer wieder anschauliche Detailbeobachtungen ein. So vermerkt er etwa, ungefähr ein Drittel der Passagiere seien Frauen gewesen, die meisten von ihnen jung und hübsch. Kein Grund zum Neid jedoch, schreibt er dem Bruder, denn ein altes Segel habe die Damen vor zudringlichen Männerblicken geschützt, und fügt hinzu, auf dieser gefahrvollen Reise, mit einem Amaranthus als Kapitän, wäre selbst dem geilen Priapos die Lust auf die Lust vergangen (41f.): Ἴσως δὲ κἂν ὁ Πρίαπος ἐσωφρόνησεν Ἀμαράντῳ συμπλέων.



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Was mit Schiff und Route zu tun hat, bleibt skizzenhaft und ist daher im Detail nicht immer nachvollziehbar, anschaulich wird der Bericht dagegen, sobald Synesios den Bereich des Nautischen überschreitet, nämlich bei seinen vielfältigen Beobachtungen zu Land und Leuten. Ein waches Auge und ein scharfes Ohr stillten dabei seine Neugier, hohe Erzählkunst vermittelt das Erlebte weiter. Es gelingt ihm, ein kurzes Stück Literatur ganz eigenen Charakters zu verfassen, ein kleine[s] literarische[s] Kunstwerk.20

Auch die direkte Rede setzt Synesios ein, um die Dramatik der Sturmschilderung zu steigern: Er überliefert den Wortlaut seiner Kontroverse mit dem Kapitän, auch die derbe Abfuhr, die dieser ihm erteilt. Dass er ihn insgeheim bewundert, wird spätestens klar, als er schildert,



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wie ihn nicht einmal der gezückte Säbel dazu bewegt, von seiner Schriftrolle abzulassen. Iapetos (58) nennt er ihn, dann „Amarantos, der mit der Bass-Stimme“ (βαρύστονος Ἀμάραντος: 75f.), dann den Makkabäer (115).

Kunstvoll fängt er die grantige Diktion des Seebären im Dialog mit der Landratte ein: „Οὐ γὰρ δὴ πτησόμεθα“ ἔφη· „ὑμῖν δὲ πῶς ἄν τις καὶ χρήσαιτο, οἵ καὶ τὴν γῆν καὶ τὴν θάλατταν ὑποπτεύετε; (60ff.: Fliegen können wir nun mal nicht! Was soll man eigentlich mit euch machen? Zu Lande zu reisen ist euch zu gefährlich, zur See auch!). Im Sturm ruft Amarantos mit Donnerstimme: τοιοῦτον τὸ τέχνῃ ναυτίλλεσθαι (75f.: Das ist wahre Navigation!). In der Todesgefahr des Sturms, als alle um ihn herum zu den Göttern schreien, ist er allein guten Mutes (122: εὔθυμος), wie einer der froh ist, sich seine Gläubiger vom Hals zu schaffen (122f.).



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Eine Merkwürdigkeit findet sich am Ende des Briefes. In Azarion hätten einheimische Frauen aus Neugier den weiblichen Passagieren reiche Geschenke gebracht, nämlich um die Proportionen der Brüste vergleichen zu dürfen; ihre eigenen Brüste seien nämlich so groß, dass sie zum Stillen über die Schulter geworfen würden (269ff.). (Dass dieses Detail auch in unseren Tagen auf manche Leser anstößig wirken mag, darauf deutet Börstinghaus’ keusch verhüllende Paraphrase von der Neugierde auf den anders gearteten Körperbau der mitreisenden Frauen hin.21)

In Robert Louis Stevensons Roman The Ebb Tide (1894) ist die einzige Habe eines in der Südsee gescheiterten Engländers eine Ausgabe der Aeneis. An dem zerfledderten Buch, Relikt aus der Welt des Geistes und zugleich Erinnerung an seine Schultage, hält sich der auf einer einsamen Insel Gestrandete fest. Hier ist es Homer, der den Schiffbrüchigen begleitet.



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Wie ein roter Faden ziehen sich literarische Anspielungen durch den Brief. Synesios stilisiert seine Erlebnisse nicht anmaßend zu einer ,Odyssee‘. Aber in dieser Reisesituation ist für ihn Homerisches allgegenwärtig. So wirft er etwa den Juden vor, möglichst viele Griechen in den Hades befördern zu wollen (24ff.) oder dem Kapitän, Taphosiris wie die Scylla anzusteuern. Schon als Schuljunge habe sich ihm bei der Lektüre über die Scylla das Haar gesträubt (43ff.). Die Küstenbewohnerinnen vergleicht er (287f.) mit den sich zusammenrottenden Kikonen (Od., 9.47). Offensichtlich lösen die Gefahren der Reise bei ihm geradezu automatisch diese von Kindesbeinen an erworbenen Assoziationen aus. Vor allem aber bedrückt ihn, den Neoplatoniker, den Schüler der Hypateia, der er am Ende des Briefes Grüße ausrichten lässt, die Vorstellung, falls er ertrinke, werde er nicht in den Hades gelangen, sondern völlig zugrunde gehen.



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Wie den Christen ein Bibelwort, so beunruhigte ihn das Wort des in kanonischem Ansehen stehenden Homer. Es wurde dem Neoplatoniker plötzlich das Fortleben der Seele ungewiß, da ja nach Homer der Tod im Wasser die völlige Vernichtung der Seele bringe.22

Synesios nennt Passagen aus Homer, die ihn zu diesem Gedanken bewegen. Er zitiert (128): Αἴας δ᾽ ἐξαπόλωλεν, ἐπεὶ πίεν ἁλμυρὸν ὕδωρ. (Od., 4.511: Aiax aber ging völlig zugrunde, als er Salzwasser trank). In Buch 11 und in Buch 24 der Odyssee bleibe der jüngere Aiax daher unerwähnt, denn seine Seele sei nicht im Hades. Achilles verweise darauf, dass der Tod auf dem Meer erbärmlich sei (Ilias, 21.281).



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Das folgende Beispiel zeigt die Verbindung anschaulicher Schilderung mit von Homer genährter Introspektive (142-150):



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Dann spricht er von sich selbst (150-157):



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Den letzten Gedanken (155-157) gestaltet Synesios als feierliche Triade: Ἐνταῦτα μέν γε τὸ έξαπολωλέναι [er greift das Verb aus dem obigen Homerzitat zu Aiax auf] κέρδος ἦν καὶ συναπολωλέναι καὶ συναποδρᾶναι τὴν αἴσθησιν.

Es gelang ihm, dem Tod zu entrinnen, und seine Zukunft hielt Bemerkenswertes für ihn bereit. Er wurde später zum Bischof von Ptolemais23 gewählt und übernahm erfolgreich die Verteidigung der Kyrenaika gegen von Süden einfallende ,Barbaren’.



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BIBLIOGRAPHIE







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Garzya, A., Roques, D. (Hrsg.), Synésios de Cyrène, Correspondance (Teil der zweisprachigen Werkausgabe der Collection des Universités de France in sechs Bänden. Band 2 und 3 enthalten die Briefe. Band 2: Correspondance. Lettres I–LXIII, hrsg. von Antonio Garzya und Denis Roques, 2000, 2. Auflage, Paris (Les Belles Lettres), 2003. Band 3: Correspondance. Lettres LXIV–CLVI, hrsg. von Antonio Garzya und Denis Roques, 2000, 2. Auflage, Paris (Les Belles Lettres), 2003.

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Wurm., C., „Schiffbruch mit Homer – der fünfte Brief des Synesios als Sprachkunstwerk“ in: Mitteilungsblatt des deutschen Altphilologen-Verbandes, Landesverband Nordrhein-Westfalen, 66. Jahrg., Heft 3/2018, S. 15-23.

Wurm, C., Glaubwürdig. Die Apostelgeschichte. Lukas, der erste christliche Historiker, Witten/Gießen 2020.







REFERENZ


Dieser Aufsatz befindet sich auf Folium III, 2021 I, von The Carolingian, und besteht aus 31 Schnitten (sections). Für Referenzzwecke wird folgende Zitiermethode mit Beispielen empfohlen:

Nachname, Vorname: Titel (The Carolingian, Ausgabe, Folium, Schnitt, Link), Besichtigungszeit.

Vollständig: Wurm, Christoph: Schiffbruch eines Neo-Platonikers. Der fünfte Brief des Synesios von Kyrene: Dokument und Sprachkunstwerk (The Carolingian 2021 I, fol. III, sec. 12-13: thecarolingian.com/c21.html#f3), Oct. 2021.

Abgekürzt: Wurm, TC 2021 I, f-III s-12-13 hic, Oct. 2021.














Folium IV, 2021 I





Artifex Ratio Simulata

CVM RATIO SIMVLATA COEPIT
IMAGINES COMPONERE

Gregorius Advena


ESSAY



Eo tempore ratio simulata non modo rationes mathematicas solvit. novatis computatris machinae ingeniosa quoque imitantur. imaginem quasi a penicillo pictoris fictam non numquam mirandam efficiunt. inter alia methodus novissima est generatio ex occursantium concursu, Anglice generational adversarial network (GAN). primum eidem machinae duo principia contraria, efficiens et criticum, dantur. dein machinator copiam imaginum ut alimonia dat. machinae est comparatis imaginibus novas quam similissime fingere. quod munus cum principium efficiens incipit, criticum examinando reprobat ut melius fiat. ita disputatio non finit antequam criticum satisfactum. imago ficta si casu in rete vides tam verisimilis est ut iam non dicatur non ab homine picta. ratione simulata docetur machina pingere.



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Imago Ratione Simulata Confecta
Ea imago ratione simulata confecta est.



Disceptatur an tales imagines arte factae. nam critici dicunt opus artificiosum non e machina oriri posse neque esse artem sine artifice, quod solo humano consilio opus quoddam artificiosum vocari posse. porro fortuitam creationem nullam plausum merentem elegantiam creare, quippe quem meritum debere non casu sed ingenio niti. igitur nemini cogitandum esse artificium sine ingenio. quibus sententiis putant verbum ultimum in rem dicere. norma artis ex historia fieri frequens sententia est. itaque machinam novam non posse artem creare, quia antea pictorem penicillo pinxisse. ergo solam traditionem artem facere. expositis argumentis videndum est quid firmi ac certi praebeant quidque falso accusentur. nam gravi critico non licet ex eo quod primum afficit animum opinionem formare, sed animo non moto universam intuatur causam.



2


Imago Ratione Simulata Confecta
Imago ratione pariter simulata confecta



Cum imago quaedam animum movet, difficiliter probes non esse artem. effectus operis ipse loquitur. nam si quis imaginem fictam videt eique placet, ars fit non in opere sed in animo. sin placito opere ei dicis artem non veram quod machina fictam, quid ad rem attinet? duabus ostentis alicui imaginibus, altera e manu, e machina altera, dum homo intuens qualis talis sit nescit, accidat ut e machina magis placeat. si quis illi dixerit imaginem e machina fictam, non licet aestimare non iam artem quod paulo ante erat. similiter non licet opus non placens artem ex improviso vocare cum audis id e manu compositum. refutanda est sententia artem semper consilio oriri. tametsi ars est res humana, modo creatur modo accidit. nec licet arguere imagines e machina non humanas, quod vero dicto non sunt opera e machina,



3


Imago Ratione Simulata Confecta
imago ratione simulata ficta, omni re abstracta



verum e manu per machinam. quae manus dat alimonia. quales imagines ad machinam alendam optentur optio ipsa artificiosa. igitur quod evolvit per machinam non tantum e machina factum, sed consilio ingenioque satis locus.

Sed machina quo melior fit, limes inter artem et fraudem eo propior. non quia ars machinarum sit fraus, verum quod arte adhibetur machina ad decipiendum. eodem modo quo datis alimonibus fingit imaginem pictis similarem, alimonibus mutatis faciem humanam fingit ut imaginem photographicam. neque incautus intuens umquam diceret quam videt imaginem per rationem simulatam esse factam. tam pollens est simulatio. itaque si artem quaeris non invenieris specimen ingeniosius. sed ipsum ingenium copiam quoque decipiendi praebet. nam nihil impedit



4


Imago Ratione Simulata Confecta
Ea mulier non exstat. Facies ratione simulata picta est.



quominus fictam faciem ubique interretis ostendas tuamque dicas, ceterum apud twitter vel facebook vitam per falsam personam agas. callidus explorator politicus facie pulcherrimae mulieris celatus nuntios colligit adque magistratus hostilis civitatis mittit. ipsa pulchra facie fraudator viros seducit qui magnam pecuniam solvant ad plura videnda. igitur novus mercatus fit ac novissimae fraudi opportunitates.

Amor simulationis veterrimus est. totum saeculum superius studiosi inveniebant provectiorem machinam calculatoriam. cuius ex studio inventa sunt computatorium hodiernum atque interrete non consilio, casu acciderunt. quae domi habemus instrumenta non praemeditata neque usui familiari nostrorum cogitata. item inter-rete in primis intra-rete erat ad studiosis simulationis celeriorem



5


Imago Ratione Simulata Confecta
Is infans non exstat. Facies ratione simulata picta.



copiam communicandi praebendam. maximarum etiam nunc societatum computatoriorum interest rationem simulatam quam firmiorem fieri, neque casu google, microsoft, facebook, apple societates magnam pecuniam in quaestione collocant. quae opes non dantur tantummodo ad usum machinarum in meliorem maturandum. nam tametsi volunt oblata in meliora mutari, non esset tanta cura pecuniaeque paratio si consilium modo quaestuosum esset. libido vero civilis. quo celerior machina simulationis eo pollentior machinator in re publica agitanda. igitur res certamen dominationis facta. praemium rationis simulatae est primus motor omnis scientiae informaticae neque ullum consilium urgentius.

Ceterum quod habemus interrete nullo modo antea cupitum esset. nam saepe res meditatae usui publico aguntur, sed ea aliter: his XXX annis et studiosi et magistratus rem inter



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Imago Ratione Simulata Confecta
facies ratione pariter simulata confecta



retia vehementer impedissent si animadvertissent quibus modis moribus consiliis adhibenda. at nullo modo videre quam celere rei imperium amisissent quamque multae malarum artium opportunitates oriturae. excipio litteras electronicas iam annis 1960 exstantes. cum de re inter retia loquor intertextum internationalem instrumentorum computatoriorum dico et Telam Totius Terrae (ang. world wide web) hodierna specie ortam annis 1990 innuentibus. inprimis res publica telam gessit ut rem militarem. sed paulo post vendito apparato operatorio societates quaestuosae eo tempore rem ducunt. ita interrete mutatum ut liberae mercaturae usui esset. sed non est mercatorum curare ut res publica libera maneat. itaque omni homine rem ad libitum adhibente libertas non mercium sed civium in periculum adducta. copia communicandi rem publicam laedit cum violentus est mos arguendi.



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Imago Ratione Simulata Confecta
feles ratione simulata ficta



Patefactis tantis periculis imagines computatorio fictae fere causa laetitiae sunt. unum e paucis exemplis quibus ratio simulata non malis artibus adhibetur. artis ac religionis est cupiditas res transcendendi. dum ea veritatem ultra vitam quaerit, illae tamen imago rerum meliorum sat est. quam imaginem etiam fingit species omni re abstracta. nam cum nec facies nec mundum animadvertis in pictura, ars speciei vultum libertatis ostendit orbemque transcendit – non scientia cuiusdam veritatis, sed imagine speciei sine malo. itaque imago fit et imitatio et repudiatio mundi. ars simulata non minor nec peior imago meliorum, quod eius est vis rationis simulatae per simulatam rationem reprobandae. quodcumque opus manu hominis factum, motum aut ductum fuit ars fuerit, quippe quod per manum iam non naturae est. quomodo manu utaris, penicillumne movens an malleorum seriem deprimens, inanis res. ars alia manu facta, alia manu ducta. bona nobis spes artem simulatam dominationi orbis per simulatam rationem obviam ituram esse.



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Quis composuit?
Quis composuit? Homo aut machina?



Sed operi e ratione simulata, cum non sit auctor manu faciens, non est ius auctorum nec privilegium. cum manus modo ducit arsque ducta non facta, manus ducens motor artis sed non artifex. scilicet sperandum est ne aliud argumentum iudicibus suadeat, nam nihil honestius quam ut ars e ratione simulata ius publicum accedat. non licet mercatori eam artem veno dare, quod ius non est hominis, verum casus. manu ducta paene casu facta. omni verae arti necesse est ne opus sit merx. ita primo tempore videbis, si res siverint, artem ultra forum venalium. quam pecunia etsi maxima emere nequit, quod bonum publicum est. mercatus quidem veritatem castitatem honestitatem operis corrumpit, nam ars empta modo voluptati emptoris servit arsque tantum emptu confecta ne nomen quidem meretur. cum artifex fuit ratio simulata, opus manu ductum, machina motum et casu factum ne pro cuiusdam privilegio, verum iure omnium patrimonio habeatur. mox postremo sciemus ars rationis simulatae usui an vel maiori detrimento orbi sit.














Folium V, 2021 I





Le Cocu Eclairé

– BEAUTÉ DE L’AMOUR –
LETTRES : LA CONFESSION D’ARMAND

Georges Louis


LITERATURE



Les trois États Généraux se réunirent, mon très cher ami, dans un dîner en tout digne de l’ancien régime. Votre cour modeste, pourtant, fut bien plus heureuse. Le débat de l’amour est toujours le plus noble. Vous vous demandâtes, j’en suis sûr, pourquoi je me taisais et gardais le silence durant que Théodore et vous, ravis, engagés, parliez de la fidélité. Que je souhaitais, mon Dieu, qu’aucun de vous ne vît la couleur de ma honte lorsqu’un rosissement couvrit mon visage. Je ne sais par quel étrange effort je pus me redresser comme si rien ne se passait, comme si un cri douloureux n’éclatât pas en moi, un tumulte, un bruit difficile à dompter. Après tant de temps, une image oubliée ressurgit en mon esprit et soudain la vérité m’attrista : c’est que jadis Aurélia me trahit !



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Depuis ma jeunesse j’ai joué au clavecin. Cet instrument est pour moi le plus intime. Durant quelque temps, je considérai une carrière musicale, j’enviai la vie du virtuose. Je regardais mon professeur et l’admirais comme un homme accompli. Mais le temps passait, et plus je dédiais mes efforts à l’étude du clavecin, plus me je rendais compte de la nature de la musique. Je compris qu’elle était un dilemme : pour la comprendre, il faut cesser de vivre, il faut transcender l’existence. Le sacrifice de toute une vie ne serait pas encore à la hauteur. C’est la première partie du dilemme : la vie musicale a besoin de plus de temps que le temps n’accorde à la vie. La seconde partie est ceci : cesser de vivre pour cultiver la musique est cesser de vivre. J’examinais la vie de tant de virtuoses que j’enviais,



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et j’avais peur de ce que la musique avait fait de leurs vies. Ils pratiquaient quatre heures, six heures, huit heures par jour afin de jouer à la perfection. Je me demandais si au-delà de la perfection restait encore quelque chose de leurs vies. Vous étonnez-vous ? Sacrifier sa vie afin de bien jouer est sacrifier la formation du caractère. Quelles valeurs pourrais-je cultiver devant le clavecin ? Je pourrais donner des concerts. Mais la beauté du concert est la beauté de l’instrument. Quelle est la beauté de moi-même indépendamment de l’instrument ? Si je cultive l’instrument plus que moi-même, la musique plutôt que la vie, mon esprit n’a aucune beauté. Voilà le problème dont je me rendis compte : je voulais bien jouer et je voulais faire le bien. C’est pourquoi j’embrassai l’imperfection. Une heure



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par jour me suffit. Mais pour un tel joueur ma technique est passable. J’aime bien les suites de Haendel. Mais l’énergie, l’effort, la plus profonde étude – je ne la dédiai pas à la musique.

Ce fut durant un dîner que je remarquai un échange de regards entre ma femme et Maurice, mais je ne donnai aucune importance au fait. Interpréter un regard est un art très délicat. L’observateur extérieur ne saura jamais s’il s’agit de tendresse, d’amour, de passion. Il ne convient pas de s’emporter pour des riens, et ce n’est pas le propre d’un conjoint de permettre ou non un commencement d’intimité. La conscience qu’un sentiment d’affection unissait, d’une certaine manière, Aurélia et Maurice, ne me dérangeait pas. Je suis d’accord avec vous. L’amitié est universelle.



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L’amitié véritable a besoin des yeux pour s’exprimer. Mais soudain, Aurélia paraissait redécouvrir un nouvel intérêt, un enthousiasme inusité pour la musique. Elle a toujours préféré le piano. Ma femme avait atteint une certaine expressivité en jouant des nocturnes. Vous comprenez qu’avec le temps les passions s’apaisent, les intérêts et les études deviennent plus modérés. Moi-même, après l’enthousiasme juvénile, j’ai perdu un peu le rythme sans pourtant abandonner la pratique. Il arrivait que, souvent, au lieu de dédier mon temps aux leçons, je demandais à mon professeur de jouer. Je payais pour des concerts informels, et graduellement mon intérêt migra de la pratique à l’appréciation. Il ne fut pas différent avec Aurélia.



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Je franchis un pas de plus. Plus je contemplais la musique, plus l’existence devenait lucide. Je découvris un sentiment indépendant. La lucidité me conduisit à une harmonie plus délicate, quelque chose au-delà de la forme. L’amour de la musique me libéra de la musique. C’est comme si la forme fût une illusion. Croyez-vous que cela m’ait rendu indifférent ? Au contraire ! Ma relation est devenue plus profonde. Lorsque je reconnaissais une mélodie familière dans les mains d’Aurélia, mes yeux se remplissaient de joie. En un seul moment, la vie était allumée d’une lumière inexplicable. Il faut cultiver beaucoup de silence pour savoir ce qu’est la musique. Plus je l’aimais et plus je l’évitais. Je la contemplais d’une distance, je l’aimais avec les couleurs d’un amour platonique. Le véritable amour veut



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comprendre, c’est votre argument. C’est pourquoi je ne veux pas aimer dans l’ivresse. Je veux aimer la musique avec un amour à son hauteur.

Mais que sais-je ? Où étais-je ? Aurélia, bien sûr ! Soudain, elle pratiquait tous les jours. Elle jouait la pièce la plus jolie que je n’avais jamais écoutée. C’était Beethoven. Il était beau ! Très beau ! Trop beau ! Ce nouveau dévouement dénonçait quelque chose. Son regard était le regard d’une amoureuse. Cette pensée, une fois enracinée en moi, incitait à l’investigation.

Je commençai à inviter Maurice. J’observais les regards plus fréquemment. Je faisais attention au contenu des conversations. Tard dans la nuit, me promenant



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dans le bois, je ruminais la signification des choses. Confronter Aurélia ? Je ne sais pas si j’aurais le droit de le faire. Le droit d’époux ? Mais il n’était pas question d’un droit conventionnel. Je cherchais une légitimité plus existentielle. L’existence comporte une liberté au-dessus de toute relation. Malgré le temps que l’on passe ensemble, il reste un certain mystère solennel entre ceux qui s’aiment. C’est pourquoi on ne peut posséder. Pour conquérir, il faudrait connaître. Confronter ma femme ne serait pas un droit donné par la simple existence. Il fallait lui donner l’opportunité d’avouer elle-même ce qui se passait. Pourtant, quoique je ne susse comment réagir si ma peur se confirmât, je faisais mes efforts pour recueillir des preuves.



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Le passé est vraiment transcendant… Blanche avait été la serviteuse la plus diligente de mes parents. Un cœur véritable, elle m’entourait de plus de tendresse que ma mère, qui payait sa candeur avec toute amertume et sévérité du monde. La blanchisseuse, calembour fâcheux que ma mère faisait de son nom, ne répondait pas. Elle acceptait une litanie d’offenses quotidiennes avec une résignation, un esprit de fidélité confondant. Mon premier amour fut amour de compassion. Blanche avait quinze ans de plus que moi, et quoique je ne la visse pas souvent, je l’aimais comme la sœur que je n’avais pas. Chaque fois que ma mère la maltraitait, une certaine tristesse s’emparait de ma poitrine, et mon Dieu, quel était mon âge ? Je me souviens du jour ou ma mère, emportée par une inexplicable colère,



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fit usage de tout le vocabulaire de la langue pour injurier cette âme à cause d’une petite erreur. Après le dîner, je cherchai cette femme, outragée sans raison, et j’embrassai son tablier tandis qu’elle faisait la vaisselle. Je ressentis sa peine. Que faisais-je ? Je n’avais pas encore la maîtrise de la parole. Je ne savais comment lui demander pardon par un geste effaceur de toute estime. Aujourd’hui, je sais ce que je voulus dire :

– Vous êtes ma famille aussi ! Je n’ai jamais voulu que le monde fût ainsi pour vous. Pour moi, votre place est à la table avec nous. C’est ma mère qui devrait vous servir !

Blanche me renvoya avec un sourire au-dessus de ce monde. Voilà le sacrifice auquel la pénurie poussait une vie. Ma mère m’apprit comment ne jamais traiter une personne



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et je jurai, dans le même jour où Blanche quitta la maison, que je ne l’oublierais jamais. Il faudrait la chercher un jour et réparer le mal. Plusieurs années passèrent sans que l’image de Blanche et la honte aucunement ne s’effaçassent. J’étais déjà marié quand je décidai de la trouver. Durant tout ce temps, elle habita dans un village non loin du château, où par dessein du hasard ou par la malédiction de ma mère, elle était devenue blanchisseuse. Je ne vous décrirai pas le changement du temps en son visage. Une fleur se flétrit prématurément, mais déjà une semence, un nouvel espoir s’annonçait : Blanche était mère ! À peine regardai-je son nouveau-né et un sentiment de rédemption me prit. Le bien était encore possible : je protégerais cet enfant ! En lui, je réparerais le mal que ma mère avait fait à la sienne. Je l’adoptai tout d’un coup. Il souriait comme un ange,



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et son nom était Maurice. Son père ? Un profiteur qui, dans un moment de faiblesse de Blanche, trompa ses espoirs et lui laissa un fils comme trophée de son coup bas.

Bientôt l’opportunité d’un soutien arriva, mais en raison d’un fait que j’ai nul goût à citer : Blanche mourut. Il ne resta qu’un oncle pêcheur et poissonnier, privé de toute aise, pour la tutelle de l’enfant. Or j’approchai cet homme ! Qu’il me permît, par charité, de contribuer à l’éducation de Maurice ! Il ne s’agissait pas de bienfaisance. Durant longtemps, expliquai-je, Blanche avait rendu des services à ma maison. Il n’était pas concevable de voir la destitution de son fils dans une indifférence honteuse.

Il ne fut pas facile de convaincre un homme fier de son travail et non pas incliné a recevoir des faveurs. Il était en son droit, et son attitude révélait que l’enfant



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grandirait entouré de vertus. Nous convînmes enfin, après un peu d’insistance, que je payerais une contribution régulière pour l’éducation de Maurice, sous la condition qu’il ne le sût jamais. Il ne faudrait pas qu’un sentiment inutile d’obligeance envers un élément étrange s’enracinât dans son esprit. J’étais content d’aplanir un peu son chemin, de lui donner l’opportunité qui avait manqué à sa mère ! Vous n’imaginez pas le progrès vertigineux de cet enfant ! Je lui ouvris les portes que son oncle me permit d’ouvrir.

Aurélia n’a jamais rien su de cette affaire. Comment lui dirais-je ? Entre ma femme et ma mère, il y avait eu un lien très fort. Aurélia n’a jamais connu la matrone sévère qui traitait Blanche en esclave. Quelque chose de sublime



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dans l’air d’Aurélia finit par éduquer les sentiments d’une vie dont l’amertume était la norme. Son affection gardait une pureté inexplicable. Cherchez-vous encore des exemples d’amour et de fidélité ? Écoutez donc : durant presque deux ans, Aurélia veilla sur ma mère dans son lit de mort. Il fallait respecter le deuil de ma femme, honorer la mémoire d’une affection très rare. Deux âmes se trouvèrent et se découvrirent mère et fille. Maintenant que la mère n’était plus, à quoi bon déranger la fille en lui disant : Aurélia, cette femme fut capable d’une cruauté confondante ! Ma mère offensa la dignité d’une âme irréprochable, d’un ange déguisé en serviteur ! Il incombait à moi de réparer le geste en assistant, enfin, l’orphelin d’une vie sans erreur et toujours outragée.



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Comment agir s’il s’avérât que ma femme me trahissait ? Voici la question qui me torturait jour et nuit. Si Aurélia n’était qu’une petite « copine » comme l’on dit de nos jours, tout serait différent. Si je l’eusse connue dans l’ivresse et qu’après deux mois elle commençât à me trahir, je pourrais bien dire : – C’est tout fini, ma belle, prends tes trucs, du balai ! – Mais regardez bien les choses, mon cher, attendez, « examinez ma vie et songez qui je suis. » C’est d’Aurélia que je parle ! Il ne s’agit pas d’une femme que j’aie connue vendredi soir dans la boite. J’ai bien peu d’estime pour ce veni-vidi-vici que mon père appelait « l’amour républicain »: j’ai dragué, j’ai baisé, je m’en vais. Non ! J’avais douze ans la première fois que je vis Aurélia et je l’aimai au premier instant. Elle était d’abord ma sœur. Le premier regard



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déclencha une longueur d’intimité que la jeunesse et le temps nourrirent. Dans le même jardin que maintenant je regarde, jadis nous courions sans aucun souci. Une ancienne amitié, disaient nos parents, unissait nos familles, et je savais déjà qu’Aurélia ferait partie de ma vie. Nous parlions si franchement, si tendrement l’un à l’autre. Si j’étais son frère, lentement et à mon propre insu je devins son époux.

Je ne dirais pas que, pour être heureux, il faut avoir connu son conjoint depuis l’enfance. Mais le meilleur conjoint est celui qui vient d’un cercle familier et que l’on a longtemps connu, et je vous donne un conseil : ne vous mariez pas et n’appelez pas vos sentiments amour avant quelques ans d’intimité.



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Je n’ai jamais cru au mariage de convenance. J’aimais Aurélia et je savais qu’elle m’aimait. Pourtant, je consultai mon père – non pour lui demander ce qu’il pensait d’un mariage, car cela était à moi de décider. Je voulus savoir ce qu’il pensait d’Aurélia et, plus encore, de sa famille. Je sais que ça pourrait étonner un jeune homme comme vous, mais avouons-le : celui qui se marie ne marie pas seulement un conjoint. Il marie, d’une certaine manière, toute une famille. Elle fera partie de sa vie. Mon père comprit mon intention sans délai.

Certes, on se marie par amour. Mais ce monde étant tel qu’il est, avouons aussi que le mariage est plus facile quand les moyens des conjoints sont similaires. Certaines coutumes sont cruelles. Si l’un des conjoints est beaucoup plus pauvre,



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il est exposé à bien d’embarras et de préjugés. Imaginez la position de l’homme marié à une femme plus riche. Pour la famille ou les amis de sa fiancée, il sera toujours le gigolo, le trompeur, le profiteur. Certaines familles l’accepteront. Mais il ne sera jamais certain de ce qu’ils pensent de lui.

Imaginez la femme plus pauvre que son mari, l’enfer qu’elle vivra derrière son dos. Si j’avais épousé Blanche, il aurait fallu quitter mes parents, mes amis, mon pays. Non parce qu’il y aurait une interdiction formelle. Mais comment pourrais-je exposer Blanche à un cercle de personnes qui, volontairement ou non, la rappelleraient constamment qui elle était et d’où elle venait ? Non ! Il aurait fallu quitter tout cela. Je l’aurais fait. Mais il faut connaître le prix des choses. En demandant l’avis de mon père, je voulus savoir le prix que la famille d’Aurélia me ferait payer.



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Il en va de même pour l’amitié : l’amitié véritable implique un sacrifice. Songez à l’amitié entre un homme très riche et un homme très pauvre. Le parti riche veut parler d’un vin, d’un bal ou d’un voyage, mais il se gêne, parce qu’il ne sait pas si le parti pauvre peut se permettre un tel vin, un tel bal ou voyage. Si l’ami riche est trop condescendant, l’ami pauvre ne se sent pas pris au sérieux. C’est une relation sans spontanéité et parfois sans franchise. On dit que les Anglais font même attention à éviter ce type de mélange social. Pour qu’une relation pareille devienne amitié véritable, il faut vaincre un peu la disparité des moyens, si, il faut que le parti riche assiste le plus pauvre, car sans cela, le parti pauvre n’est pas un ami, il est un passe-temps.



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Regardez Maurice : je le voyais, je l’aimais, je l’aidais. Je cherchais à réduire un peu la disparité entre nous. Je voulus devenir son ami. Lorsqu’il atteignit la majorité et que Jacques, son oncle, n’était pas non plus tuteur, je l’approchai, je trouvai des moyens pour l’introduire dans ma maison. Chaque année, lui dis-je, je commandais une liste avec les élèves les plus distingués de la région, afin de les assister à l’université. Mais Maurice n’avait besoin d’aucune aide. Son intelligence lui avait procuré une place dans un institut prestigieux où il décida d’étudier le droit. Une sympathie naturelle se fit entre nous. Aurélia lui adressait une rare affection. Jeune et poli, il était un bel homme, et quand je songe à ce qui se passa, il n’est pas étonnant qu’une flamme se fût allumée en mon épouse. Remarquez-le



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bien : Aurélia et moi, nous étions ensemble pour plus de vingt ans. J’étais le vieil époux de tous les jours. Maurice était la nouveauté, la vitalité, la passion. J’attendis avant d’investiguer l’affaire. Je ne pouvais imaginer qu’Aurélia nourrît plus qu’un sentiment maternel. Je comprenais bien qu’un jeune homme est souvent frivole. Mais Aurélia ? Qu’attendait-elle d’une telle amourette ? Soudain, il était question d’aller à Paris ! Or je m’inquiétai. Aurélia n’avait jamais ressenti la moindre envie d’un pareil tour. Il était certain que ce petit voyage cachait une étrange aventure.

Il fallait agir !

Après avoir ruminé jour et nuit, je conçus un plan un peu inusité. Il y avait un jeune homme dans le voisinage appelé Jean. Son père avait un grand ressentiment envers



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le maire de Château-du-Bon-Chevalier-sur-Mer, qui avait interdit à son cirque tout spectacle dans le village. Le maire voulait se protéger d’un certain embarras car ce village à trente-trois habitants n’a que trois rues : La Rue de Gauche, la Rue de Droite et l’Avenue de la Grande Armée. Le bon maire voulut éviter une situation où, en comparant le cirque au village, les habitants pussent avoir l’impression que le cirque était plus grand. Mais le père était aussi orgueilleux que le maire. Le jour suivant, le cirque était prêt et tout le village le remplit. Ce fut alors que le petit Jean, perdant l’équilibre durant le spectacle, tomba dans la cabane aux cochons d’où il sortit entouré de boue. Depuis ce jour, les filles l’ont appelé Jean Dégueulasse, ou Jean de Gueulasse. Mais Jean grandit. Malgré la malveillance des trente-trois, il devint un homme très diligent.



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Or confus comme j’étais, je ne voyais plus d’alternative. Jean de Gueulasse avait rendu un certain service aux jardins du château. Sous le prétexte d’une pareille tâche, je l’invitai et lui exposai le cas. Jean était un homme avec du vécu. Les grand’dames, en se promenant dans l’Avenue de la Grande Armée, le regardaient avec mépris. Lorsqu’il entrait dans la Rue de Gauche, les filles de famille s’enfuyaient dans la Rue de Droite. S’il cherchait la Rue de Droite, elles migraient à la Rue de Gauche. Mais au beau milieu de la nuit, mon cher ami, il était l’amant favori de toute alcôve en ce vertueux village. Il était discret. Il savait arriver et sortir sans être aperçu. C’était lui dont j’avais besoin ! Je le payai pour suivre Aurélia à Paris. Ma femme partit dans le matin et mon détective, l’illustre Mr. de Gueulasse, la suivit, pourvu de bien d’argent pour toute éventualité.



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Je n’avais plus de temps pour considérer cette entreprise burlesque. Quelques heures plus tard, je reçus un appel d’un certain hôtel, Place Vendôme. Un individu appelé D’Artagnan, très nerveux et soi-disant artiste, insistait à se faire donner un appartement au nom, évidemment inventé, d’Armand de Beauchaupel, Duc de Château-du-Valet-deux-Églises-sur-Mer, et le gentilhomme eut la bonté de communiquer mon numéro aux réceptionnistes. Je compris la situation sans délai. L’hôtel était la place. Il fallait éclairer la condition de Jean, ou mieux, de D’Artagnan. Il fallait mentir, le mensonge était déjà vivant. J’expliquai que cet artiste, renommé partout dans le monde, était un personnage de rare excentricité et, par hasard, nouvel amant d’un certain homme d’Etat. Encore une fois,



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le destin avait rapproché le ministre et l’artiste, heureuse union. L’amoureux laissant New York en toute hâte, il venait de débarquer à Paris après un vol agité. Le personnel de l’hôtel écouta avec attention, je dirais presque émotion, et pourtant ces amis inconnus, soucieux de l’intégrité pécuniaire du bon Jean, hésitaient à l’accepter. Or je leur exposai le cas : cet homme en désarroi avait un protecteur et le mécène, devenu son postillon d’amour, avait indiqué ce modeste lieu pour le rendez-vous. Non, le duc ne pouvait pas se présenter sur place. Il s’agissait d’un grand Seigneur au rang duquel il ne convenait pas de se rendre à Paris. Ainsi gagnai-je, mon cher, la sympathie, la bienveillance de l’hôtel. Plus tôt que je ne le croyais, l’affaire était réglée, la transaction faite et l’artiste hébergé. Suivant mon instruction,



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le personnel passa toute la nuit aux aguets car l’amant, leur dis-je, était près d’arriver et souhaitait de la discrétion. Cela fait, les attentions se détournèrent dans l’attente. D’Artagnan pourrait investiguer en paix, enfin, ce qui se passait entre Aurélia et son véritable amant.

Deux heures du matin, le téléphone sonna. Après s’être donné beaucoup de mal pour trouver un uniforme approprié, D’Artagnan, prétextant un service en chambre, fit preuve encore une fois de sa discrétion. Il sut arriver et sortir sans être aperçu. En un seul instant, tout était vu, tout était constaté. Je vous épargnerai les détails d’un malheureux récit. Les vœux d’amour, l’émotion gémissante et les frissons soupirants, les jouissances : tout ingrédient de la passion vivait en cet appartement, la flamme débordant l’esprit.



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Même où la vérité des choses n’est pas belle, la victoire de la certitude est un bien. Je me sentais soulagé car l’agonie était passée. Mais avant de savoir quoi faire de moi-même, il fallait éloigner D’Artagnan. Or je ne pourrais permettre que cet homme, sachant ce qu’il savait, se montrât de nouveau dans la Rue de Gauche. Le jour suivant, lorsque ma femme et Maurice quittèrent l’hôtel, je prolongeai son séjour. En récompense d’un précieux service, D’Artagnan resterait deux semaines dans la Suite Royale. Il voulut refuser, mais j’insistai, je m’imposai. La raison d’une telle libéralité ? Ne connaissez-vous pas les vertus et les arts d’un individu comme Jean de Gueulasse, un homme qui sait arriver et sortir, le favori de toute alcôve en son village ? Placé où je l’avais placé, en deux semaines il serait riche –



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ce qui de fait arriva, car Jean de Gueulasse n’est jamais retourné à Château-du-Bon-Chevalier-sur-Mer. À quoi bon changer le paradis pour l’enfer ? S’il avait d’abord quelques filles de famille dans la Rue de Droite à sa disposition, il avait alors les comtesses, les beautés russes et toutes les fleurs du jardin grand-bourgeois. Il ne lui suffisait que d’être ce qu’il était déjà. Au matin, il s’asseyait dans le parc avec un air rustique, non trop éduqué mais non pas grossier. En deux minutes, il abordait déjà la première. Pour se faire passer pour timide, durant l’après-midi il s’asseyait tout seul avec un air de je-ne-connais-pas-ce-monde, un petit livre entre les mains, et la deuxième fille approchait. Il ne souriait jamais. Il ne parlait pas trop. Il disait « Suite Royale » et tout s’arrangeait. En peu de jours, ce fils d’un vertueux village



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enseigna le sens de la vie à bien de malheureuses. En peu de jours, je le répète, cet homme remarquable, arrivé au beau milieu de la nuit, était déjà surnommé « le roi de Vendôme ». Après sa disparition, je reçus parfois des cartes postales « anonymes » : Beverly Hills, Capri, Polynésie. Il trouva sans doute une île déserte pour réjouir sa richissime amante loin de toute gêne et de tout préjugé.

Le temps fait passer la passion, et je savais que, ayant déjà le temps en ennemi, l’amourette entre Maurice et ma femme n’avait pas besoin de mon intervention. Je n’ai jamais approuvé des concepts exagérés d’honneur. Ou croyez-vous que je devrais confronter Maurice en grand style, le provoquer en duel, aller en forêt et tirer sur son bras ? C’est pour ça que je l’avais éduqué ? Non, Georges, ce jeune



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homme ne méritait pas de colère. Tuer ? L’homme est indestructible. Une fois qu’il existe, son image sera toujours présente en ceux qui le connurent. Chaque homme vit plus en cette image qu’il laisse qu’en sa propre existence, car l’existence est condamnée à finir, mais l’image peut rester et souvent reste, plus encore lorsqu’on veut l’effacer. Maurice ? Même si je le haïssais avec toute ma bile, même la mort ne suffirait pas, car la haine, non content d’avoir détruit l’existence, voudrait détruire aussi l’image, et puisque elle n’a pas les armes pour un tel projet, plus elle déteste l’image des morts et plus ils sont vivants en elle, je dirais même cultivés, que dis-je, ressuscités jour et nuit par la haine. Cela étant, mon ami, puisque l’homme est indestructible, la solution des maux n’est pas de tuer, c’est de vivre



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ensemble, c’est de cultiver l’amitié. Nous sommes condamnés à l’amitié, tout autre choix étant faux, futile essai que de détruire l’indestructible.

Qu’avais-je à me reprocher ? J’éprouvais pour mon épouse une amitié sans limite et dans mon cœur j’avais adopté le fils de Blanche, moi, qui l’avais vu orphelin dans les bras de son oncle. Vous rappelez-vous du débat : Fidélité ? Aucun mal n’avait été fait à moi, car le geste impulsif de deux amis ne m’avait pas corrompu. Il fallait savoir, toutefois, qui corrompait et qui était le corrompu. Maurice était majeur. Il savait ce qu’il faisait. Mais il était jeune et plus excusable qu’Aurélia. Et pourtant, l’amour véritable enseigne, chaque jour, que l’on ne comprend jamais l’ami autant qu’on l’imagine. Serait-il sage, donc, d’être étonné de



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connaître quelque chose de nouveau sur ma femme ? Ne pourrait-il arriver que moi-même je tombasse amoureux d’une autre femme ou même d’un homme ? Je ne puis interdire les hommes d’aimer, je ne puis effacer leur flamme. Mais qui saurait dire si mon épouse était vraiment contente avec cette affaire, qui saurait assurer qu’elle ne ressentît aucune peine ou tristesse ?

On ne choisit pas ses sensations. Il est vrai que certains, étudiant leurs sentiments pour les autres, souvent perçoivent qu’une flamme est prête à s’allumer et que, ça faisant, ils ne se permettent pas de tomber amoureux. J’imaginais qu’une femme mûrie comme Aurélia agirait comme ça. Mais déjà commençais-je à juger mon amie ? N’avait-t-elle pas sa propre conscience pour l’avertir ? Mais l’avertir de quoi ? Lui dire que j’étais jaloux de



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Maurice ? Après tant de temps d’intimité, après l’avoir prise dans tous les coins du château, de quoi, ou de qui, aurais-je encore besoin d’être jaloux, de me sentir blessé si Aurélia se permît un échange de regards ou même une amourette avec un autre ? Non, mon ami, j’avais d’autres soucis dans la vie. Il faudrait avertir ma femme non de moi, mais de Maurice, parce qu’elle le dégradait. Elle lui enseignait qu’il pouvait faire partout, avec toute autre femme, ce qu’il faisait avec elle, et que c’était, derrière les conventions, la norme sous-entendue. Voyez-vous le paradoxe ? S’il était normal pour elle d’avoir des rapports avec Maurice à mon insu, il serait normal aussi pour Maurice d’avoir des rapports avec toute autre femme à l’insu d’Aurélia. Et pourtant, si c’est ça la norme, pourquoi la cacher ? Qu’ils vinssent donc



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et me dissent en face la vérité ! Je ne m’opposerais point à ce que l’on appelle une relation ouverte. Mais non ! Encore une fois, ma maison semblait rendre un très mauvais service à la famille de Blanche. Hélas, que je suis lâche, moi, exigeant un courage que je ne pourrais moi-même montrer. Maintes nuits je me perdis me demandant : Pourquoi le monde est-il ainsi ? Tout serait différent avec un peu de franchise. Les conjoints pourraient se dire l’un à l’autre :

– Amie, ne mourez pas, aimez qui vous voulez! Nous sommes mariés depuis vingt ans, ne vous mortifiez pas au nom d’une convention. Plutôt, si vous m’aimez, aimez les autres comme vous voulez. Célébrons la beauté de cet amour sans limite, vivons tous ensemble. Arrêtons la puérilité de « vous êtes à moi » ou « je suis à vous ». Un conjoint n’est pas du bétail que l’on possède. Je suis



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heureux de tout nouvel ami que vous cultivez et je vous enjoins de le faire. Mais faites-le bien, cultivez la personne entière, étudiez-la, libérez-la, grandissez avec elle. Ne regardez pas l’autre que comme un moyen pour des rapports passagers. S’il n’est pas possible d’éviter ces rapports, au moins cultivez aussi les rapports qui dépassent le toucher. Si l’intimité avec vos amis y aboutit, touchez comme je vous touche, aimez comme je vous aime. Ne vous trompez pas ! La soif de l’amour véritable s’étanche par l’intouchable : la tendresse et l’étude, la compassion, la compréhension. Donnez-moi cet amour et nous répartirons notre intimité avec le monde entier, chacun de nous à sa mesure. –



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Voilà un discours serein et bon contrat d’amour, possible peut-être dans la sphère des dieux et des choses belles, où toute franchise est possible et le mariage est universel. Mais ce monde est loin de tout cela. Pour les yeux du monde et ses concepts erronés, je ne suis qu’un vieux rêveur, un cocu éclairé, voilà, c’est tout.

Le cas était grave. C’était Maurice qui était exposé au plus grand danger. Vous connaissez bien le pouvoir des langues. C’est pourquoi j’avais éloigné D’Artagnan. Il faudrait bien sûr cacher le fait du village et surtout de son oncle, car celui qui tuerait Maurice n’était pas moi, c’était Jacques. C’est un homme simple dont on parle, un poissonnier, incultivé mais très intègre. Pour lui, j’étais le bienfaiteur et Maurice avait l’impossible devoir de savoir ce que personne ne pourrait lui dire. Imaginez la honte que cette affaire, une fois connue partout, aurait jetée sur le frère de Blanche.



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Pour surmonter l’insurmontable, je n’avais pas d’alternative, il fallait parler à Aurélia. Hélas, le mieux serait que j’eusse saisi Maurice et que je l’eusse éduqué dans le château, où ma femme deviendrait plutôt sa mère que son amante. L’orphelin serait l’enfant qu’elle a toujours manqué. Croyez-moi : l’infertilité est un fardeau plus grand que l’on ne l’imagine. Aurélia avait un cœur fragile.

Parfois, c’est l’origine de l’honneur qui nous rédime, et soudain je me souvenais de votre vieil adage : noblesse oblige. L’héritier d’un genre provenant d’Hugues Capet, je voudrais mourir comme une étoile. Ne vous ai-je pas dit que l’homme était indestructible car l’homme est deux, l’existence et l’image qu’il laisse ? L’homme est une étoile. Lorsqu’il s’éteint, les autres voient encore sa lumière



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durant quelque temps, parfois longtemps, et je sais que, étant qui je suis, l’image de mon existence ne s’éteindra pas facilement, car c’est tout un passé qui mourra avec moi. Je ne me cramponne pas à des traditions futiles, mais le cas était grave. Fossoyeur d’un genre d’où sont issus des fondateurs de la France, je ne pourrais me permettre un geste indigne du nom que j’étais appelé à enterrer.

J’envie Théodore ! Voilà une vie au-delà de tous ces soucis et dont le cœur n’appartient qu’à Dieu. Théodore est l’image de l’homme serein, jamais touché par l’amour mondain. Sa façon naturelle et son silence en regardant les étoiles, tout son être est émouvant. Je ne saurais vous dire un nom plus remarquable. Toutefois, je lui fis peut-être une grande injustice. Durant ces jours troublés dont je vous parle,



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quand il nous visitait ou simplement passait pour une partie d’échecs, il percevait sans doute une gêne, une tristesse, une pâleur en moi. Il voulait parler, mais je lui répondais avec un silence impardonnable. Tous les jours, je manquais l’oreille d’un ami, le vase où je pusse verser tout mot et toute angoisse. Soudain, Théodore était là et Armand se taisait. Mais Théodore est un homme tant intègre et tant parfait ! Comment pourrais-je importuner sa tranquillité avec le récit d’une affaire ridicule, banale et grotesque ? Ma vie n’est pas à la hauteur de Théodore. Avez-vous besoin des preuves ? Combien de fois cet homme de Dieu ne me demanda de jouer au clavecin et, cachant ses yeux et peut-être une larme, semblait ému par la plus simple note ou mélodie qu’un médiocre comme Armand jouait ! Ce n’est pas le talent



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qu’il cherchait, il cherchait la vérité, il écoutait la musique outre le ton. Il ne fallait que regarder son état après la moindre exécution pour le savoir : Théodore comprit ce qu’était la musique, cet homme sans aucun savoir musical, cet homme qui s’émouvait par toute note où je n’entendais que l’ennui de mon imperfection. Il était reconnaissant de tout détail, lui, dont l’esprit était indépendant du plaisir des notes et qui pourtant semblait mendier chaque ton. Quand en ces jours malheureux il m’invitait à l’accompagner, quel ami, en pèlerinage à Lourdes, une lumière nouvelle parut élever mon âme. Je contemplais quelque temps son offre. Mais raisonnez bien, Georges : si quelque part sur la route une larme coulât, comment expliquerais-je que la source des larmes n’était pas la foi, c’était l’angoisse d’un homme loin de Dieu, de l’amour et de soi-même ?



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Ce même jour, je m’assis derrière Aurélia pour écouter la mélodie sans égale qu’elle jouait à la perfection. C’était encore la même pièce, le deuxième mouvement de je ne sais quelle sonate, ou mieux, peut-être opus 90. Il était étonnant ! Ma femme devint une autre personne, incorporant une dimension inconnue du sublime. Elle brillait ! Son air, son sourire et ses yeux étaient l’image d’un ange devenu musique ou musique devenue ange. Beethoven ? Son émotion était visible sans que le sentiment trahît l’exécution. Étions-nous arrivés au ciel ? Tant de douceur sonnait, je pouvais voir la joie de son visage. Vous avez raison en disant que l’amour est étude. Je découvrais quelque chose de nouveau sur ma femme et, soudain, je l’aimai de l’amour du premier jour. L’exécution finie, je touchai son épaule et



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nos yeux se trouvèrent depuis longtemps. Ce fut alors que, épris comme j’étais de sa musique, j’oubliai moi-même et les mots m’échappèrent de la bouche :

– Quelle merveille, Aurélia ! On joue le mieux quand on est amoureux…

Quand je me rendis compte, hélas, de ce que je venais de dire, c’était trop tard. Aurélia couvrait déjà son visage, entièrement rougi, et rougissait plus encore en pleurant sans me dire parole. Elle avait tout compris, il était évident. Je tentai de prendre sa main, elle refusa :

– Ne me touchez pas, s’il vous plaît !



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Ne vous étonnez pas car nous nous sommes toujours vouvoyés. C’est la forme la plus intime du monde, parce que la personne n’est jamais une. Quand on parle à celui que l’on aime, il faut s’adresser au corps, à l’âme, aux sentiments, aux passions, aux pensées, à toutes les entités qui font la personne. Le vouvoyer d’amour, c’est s’adresser à la personne entière. L’amour veut parler à l’infini. Or je répondis à ma femme :

– Pourquoi pleurez-vous, Aurélia, pourquoi cacher le visage ? Vous pouvez partagez tout sentiment avec moi, je vous aime. Séchez vos larmes ! Vous venez de faire un miracle, vous avez joué la plus belle pièce plus bellement que jamais. Ne voyez-vous pas le bien que votre amitié pour Maurice vous a fait ? Je suis très heureux de ce bien.



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Maurice a enrichi votre vie, il vous a donné quelque chose que je n’ai pu vous donner, mais c’est toujours comme ça. La vie n’est pas un cercle fermé. L’existence nous emmène, en toute nouvelle personne, un nouveau cadeau. Je fusse un homme très grossier si, puisque je suis votre époux, je prétendisse être le seul à pouvoir vous enrichir. Voyez-vous comme Dieu ou le destin, comme vous voulez, est généreux ? La vie semble perdue et, soudain, un nouvel ami surgit.

– Vous n’existez pas, Armand. Vous êtes un homme sans méchanceté, votre ingénuité m’étonne et me gêne. Ma vie n’est pas à la hauteur de vos valeurs, de mes propres valeurs. Ne me regardez pas comme ça. Je suis une femme sale ! Je suis un incendie de désirs et de passions innommables.



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– Pourquoi sale ? Vous êtes mon épouse et je vous aime comme vous êtes. Cultivez vos désirs, vos passions, cela fait partie de chacun. Mais je vous prie, Aurélia : vous êtes une femme libre, bien située, vous n’avez rien à perdre. Maurice est jeune, vulnérable, il a toute bataille et toute amertume encore à venir. Cultivez cet ami qui est aussi mon ami. Mais n’abusez pas de son inexpérience, songez au mal que vous pouvez lui faire. Si c’était un homme un peu plus mûri, je n’hésiterais pas à vous laisser une aile du château. Tout s’arrangerait à la Louis XV. Mais dans le cas de Maurice, il vaut mieux attendre un peu, et tandis que vous attendez, transformez-le en ami véritable, partagez non le corps, mais l’esprit. Vous savez bien ce que sont les mauvaises langues. Je me suis donné beaucoup du mal à cacher ce fait,



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et c’est pourquoi je vous prie : ne faites pas courir un grand danger à Maurice, parce que son oncle tuera notre ami si la rumeur parvient à ses oreilles.

– Vous avez raison, Armand. Je ne sais pas, mon Dieu, comment je me suis permise de tomber amoureuse de lui et d’aller si loin. Je l’aime, je l’aime, je l’aime tant ! Je veux tout le bien du monde pour lui, et non, je ne me pardonnerais jamais d’être la cause de sa perte. Mais avant tout, comment me pardonner après avoir blessé, trahi, outragé un homme comme vous ? Dites ce que vous voulez, mais vous ne méritez pas ça, je vous le dis en épouse et en amie. Vous ne méritez pas ce coup bas. Je me sentirais plus heureuse si vous m’aviez frappée ou même tuée.



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– Je ne peux vous laisser parler ainsi, vous ne me faites aucun mal, pensez à Maurice ! Il ne faut pas l’écarter. Pour moi, Maurice est un fils. Je ne vous prie que de faire attention. L’amour est universel, transcendant, inexplicable, nous ne sommes pas les seigneurs de nos sentiments. Mais vous savez bien en quel monde l’amour est condamné à exister.

– Oui, je le sais, Armand, et je ne sais quoi vous dire. Pardonnez-moi si vous le pouvez, pardonnez ce geste tellement au-dessus de ce que vous êtes.

– Je n’ai rien à pardonner. Je ne puis vous interdire l’amour, et je sais que vous m’aimez. Croyez-vous que je me soucie de conventions inutiles ? Aimez toujours, Aurélia, aimez



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le monde entier et nous serons plus heureux. Ce que je vous prie, ce n’est pas l’exclusivité de votre amour, non, je ne veux qu’un coin de votre cœur, je suis content de tout amour que vous pouvez me donner. Avant de devenir mon épouse, vous étiez déjà mon amie. Regardez le jardin où nous jouions, regardez la vérité de notre union.

– Je vous aime, Armand ! Mais puisque je connais le monde dont vous parlez, je ne peux vous outrager plus longtemps. Il faut que je passe quelques jours en solitude avant de décider mon avenir. Il faut découvrir, mon ami, comment trouver le courage de vous regarder en face encore une fois après tout ce qui s’est passé entre Maurice et moi.

Aurélia ne me laissa pas répondre. Elle sortit, fit sa valise et disparut. Soudain, une certitude terrible s’empara de mon esprit. Pleine de remords et d’amour, Aurélia ne



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retournerait pas. Elle me quitterait pour vivre avec Maurice. Que de temps je ne restai assis regardant les feuilles par la fenêtre, la nuit approchant ! Mais il fallait vivre, Georges, il fallait même être reconnaissant de la vie, car ceux qui ne vivent plus ou ne vivront jamais, ils n’ont pas l’opportunité de goûter le mal qui rend la vie plus pleine et plus vraie. Pour surmonter la vie, vivons ! Il faut connaître tout ce qu’elle offre. Autrement, on ne vit que la moitié de la vie. Ô Blanche, me voyiez-vous de ce monde divin ou impossible où je vous cherchais ?

Je me levai enfin. La même nuit, j’appelai M. Jobard, le grand claveciniste. Qu’il vinsse jouer, j’avais besoin de son art ! Je demandai quelques suites et j’écoutai la voix de Haendel toute la nuit, une chandelle mourant auprès



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de moi. M. Jobard était un musicien accompli, il n’offrait jamais moins que la perfection. Mais M. Jobard buvait sans soif et, ça faisant, il arrivait parfois qu’il frappât sa femme, cet homme capable de jouer Haendel toute la nuit, cet homme qui ne vivait que pour la musique. Vous parlez encore de fidélité ? Il ne couchait pas avec sa voisine, mais en frappant son épouse, il était le mari le plus infidèle. Quelle tristesse que de regarder, en cet homme accompli, la faillite morale de la musique. De quoi me plaindre ? M. Jobard n’avait pas de temps pour se cultiver, pour lire Platon, pour être bon. Pour être bon, il faudrait cesser de jouer et devenir mauvais musicien, mais la musique et la vie s’excluent. Le plaisir divin, la consolation que M. Jobard me donnait était un plaisir coupable. En soutenant sa virtuosité,



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je soutenais aussi la disgrâce éthique d’une existence que toute la musique, toutes les émotions qu’elle causât ne pourraient racheter. Tandis que je pleurais en entendant la beauté infinie, je me rendais compte d’un fait poignant. De tous les accessoires que l’existence nous a donnés, la musique est le plus sublime. Et pourtant, je viens de vous dire ce qu’est la musique : un accessoire, sublime et inutile. Mais qui suis-je, mon ami, qui suis-je pour condamner ou bannir du monde une chose pareille, moi, après tout ce que la musique m’a donné ! Mais attendez : la musique, que m’a-t-elle donné ? N’a-t-elle pas toujours flatté les émotions que je cherchais en elle ? Non, non, non ! Il est des fois où la musique est plus qu’une flatterie. Mais que de travail et que de temps, tant de vie est nécessaire afin que la musique



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devienne rédemption plutôt que perte. M. Jobard finit et je le remerciai avec une voix tremblante. Par amour de cet homme parfait, je ne devrais jamais l’inviter de nouveau. Mais la musique est vraiment difficile. On dit que Beethoven frappait ses serviteurs.

Je ne pourrais ne permettre un sentiment de tristesse ou de rancune parce que, dès le début, je savais qu’en choisissant un être humain pour être ami, il ne serait pas parfait. On ne dois jamais exiger la perfection comme critère d’amitié. Certes, je préférerais l’amitié des anges, mais en ce monde il arrive qu’un homme convoite une femme. Et pourtant, personne ne se réduit à un seul geste. Avez-vous envie de juges ? Or, pour bien juger, il faut juger la totalité de la personne plutôt qu’un geste en particulier. Il est des gens



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qui, reconnaissant un mal perpétré, chercheront l’occasion de le réparer, et j’estime une preuve d’amitié, au moins courtois, de leur donner un peu de temps pour considérer eux-mêmes leurs gestes, avant de faire un scandale hypocrite.

Je pourrais dire, sans aucun romantisme, qu’Aurélia était la femme de ma vie : la femme la plus présente, celle qui me connaissait le plus et que je connaissais le plus de temps, la personne la plus intime. Épouse ? Ce n’était pas une convention que je voulais sauver, mais une amitié. C’était cette amie de toute la vie que j’aimais. Et qui m’aimait aussi. Nous nous mariâmes par amour, et surtout par amitié. Je suis d’accord avec vous : l’amitié n’est pas affaire d’intérêt. Regardez encore une fois l’amitié entre un homme



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très riche et un homme très pauvre. Est-elle possible ? Elle est certainement possible car, comme vous écrivez, l’ami véritable est celui qui ne choisit pas ses amis, sachant que l’on est ami ou bien de tous ou de personne. Mais attendez : nous parlons d’une chose très belle et très difficile. Afin qu’une amitié entre partis tellement inégaux en moyens prospère, un sacrifice est nécessaire pour les deux parts. Voyons bien le dilemme : l’amitié la plus intègre est celle où le parti riche donne le plus possible et le parti pauvre refuse le plus possible. Pourquoi ? Parce que le parti qui ne veut que recevoir n’est pas ami véritable, tandis que le parti qui ne veut rien donner n’est pas non plus ami. Je ne me réfère qu’aux moyens matériaux, je le sais, mais voyons la chose ainsi : toute amitié est un rapprochement entre deux ou plus, et tout rapprochement durable et véritable aboutit aussi à un certain rapprochement de moyens.



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Pour moi, c’est un mouvement naturel, car le parti pauvre, convaincu des sentiments du parti riche, se gêne d’être aidé et cherche à faire son propre effort pour augmenter lui-même ses moyens; tandis que le parti riche, jamais content de voir son ami dans la privation, se gêne aussi de son opulence et volontiers en partage, s’il est ami véritable, car il ne se permet pas de voir le parti pauvre dans l’adversité. En rapprochant les amis, l’amitié véritable réduit naturellement la disparité.

Ne pensez pas que je sois cynique : pour réduire la disparité sociale, on a besoin de plus que la bienveillance et l’amitié. Je me souviens d’une promenade avec Maurice dans la plage. Il faisait froid, il pleuvait, il y avait du vent, mais la conversation était avancée, vivante, passionnée comme la mer :



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– Pardonnez-moi si je suis trop dur, Maurice, mais la manque d’argent ne justifie pas la bassesse d’esprit. On dit que Louis XVI, attendant sa mort, donnait encore des leçons de musique et de langues à ses enfants. Le premier devoir de tout homme noble est de s’instruire malgré tout et tous. Ce qu’il faut craindre, ce n’est pas la mort, c’est l’ignorance. Je vous parle d’une noblesse que tout être humain est appelé à manifester. Je comprends bien les privations de la pauvreté, mais le devoir est le même. Socrate était pauvre !

– Vous avez beau louer l’éducation et l’érudition d’un roi, car vous ne connaissez pas les labeurs d’un poissonnier comme oncle Jacques. Même quand il y a du temps, il y a aussi fatigue. Vous êtes un homme éclairé, Armand, mais vous aimez aussi le passé, les traditions, votre origine aristocratique.



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– Que vous vous trompez, mon ami ! Puisque je connais la condition des pauvres, je n’ai aucun orgueil de ce que vous appelez aristocratie. Il est vrai que ma famille est très ancienne et je regarde le passé de mon genre avec respect. Mais je n’ai aucune sympathie pour ceux qui, poussés par ressentiment, fondent ces partis politiques au nom d’un héritage dont un homme vraiment noble n’a jamais besoin de faire étalage. Écoutez, Maurice : l’ancien régime finit avec trop de violence, mais par nécessité il fallait que tôt ou tard le peuple prît ce qu’était à lui. Si ma famille rendit quelque service utile au pays, je suis content et cela me suffit.

– Vous êtes un noble, Armand, vous avez du cœur ! Je suis un peu d’accord avec vous. Pour moi, il n’y a rien de plus dégoûtant que l’ignorance des petits bourgeois, si pleins d’argent et vides en tout autre chose.



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– Il y a une grande différence entre oligarchie et aristocratie. Une assemblée d’oligarques, un tas d’imposteurs s’empara d’un mot sublime. L’aristocratie est l’ensemble de tous ceux qui peuvent guider l’affaire publique avec justice et lucidité, indépendamment de la naissance et de l’argent. C’est ça l’aristocratie dont parlent Platon et Aristote. Ou pensez-vous que, parce que vous avez argent et titres, vous pouvez vivre comme un cochon poussé par ses plaisirs et, par surcroît, vous devez même gouverner ? Il fallait changer cet état de choses. C’est pourquoi maintenant, quand j’entends le discours de ces soi-disant amants de notre héritage et de nos traditions, j’ai même peur de leurs rêves. Et puisque je ne puis sauver l’Etat, je soutiens les causes qui cherchent à sauver les poissons, les oiseaux, les arbres. Qu’aurais-je à craindre? L’abolition de la monarchie ?



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– Je comprends. Puisque vous avez déjà tout perdu, vous pouvez bien aider le parti vert.

– À vrai dire, je n’ai rien perdu. Je cultive l’amitié, une noblesse plus grande que les titres et que je conserve en moi. Songez bien au privilège de regarder quelqu’un en face et de lui dire en toute vérité : nous sommes amis ! Je souhaite être votre ami, Maurice. Je suis très touché de votre affection à Aurélia et, croyez-moi, Aurélia est une femme très loyale.

Je perçus, en ce moment-là, une expression très torturée, voire déformée en son visage soudain rougi, comme si un coup de couteau avait traversé son dos. Il soupira. Je reposai mes yeux sur la mer agitée pour éviter un peu son embarras, attendant en silence, et puisque il ne dit rien, soucieux qu’il était de cacher son choc, je continuai :



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– Il faut cultiver l’amitié comme un jardin, avec bien de tendresse. Jamais blessez vos amis ! Mais qui suis-je, hélas, pour vous avertir ? Que de fois je ne blessai à mon insu tant de gens ! Le remords d’un mal irréparable est le dernier sentiment que je vous souhaite. Connaissez-vous la citation de Syrus ? Même par jeu, il n’est pas permis d’offenser un ami. Mais les cœurs sont grands, Maurice, et beaucoup de pardon est gardé dans les âmes.

Mon Dieu, que la mer était inquiète ! Je parus voir Blanche dans l’expression de Maurice, douloureuse, si triste que moi, poussé par un instinct paternel et reconnaissant de sa mère, je l’embrassai comme un fils :

– Allons, mon cher, allons, le dîner est prêt ! Aurélia nous attend.














Folium VI, 2021 I





Der Blubberblasenblues

WENN LITERATUR NICHT LÄNGER
LITERATUR SEIN DARF

Markus Jäger

markusjaegerliteratur.at


ESSAY



Ich habe die Inauguration von Joe Biden nur in Form einiger Schlagzeilen konsumiert. Ich bin zwar promovierter Amerikanist, aber der übliche amerikanische Pomp bei solchen Anlässen hat mich noch nie gereizt. Ich verspüre keine Lust dazu, mich an Roben, Schmuck, Klatsch und schönen Frauen zu ergötzen. Weder an der Frisur von Michelle Obama, noch nicht einmal am stimmgewaltigen Auftritt Lady Gagas beim Singen der Nationalhymne. Nationalhymnen interessieren mich nämlich überhaupt nicht. Es ist mir auch vollkommen egal, ob Bernie Sanders Wollhandschuhe trägt oder nicht. Viel wichtiger ist mir eine Antwort auf die Frage, ob und wie Joe Biden und Kamala Harris die USA aus dem Sumpf der grauenvollen Spaltung dieser letzten Jahre herauszuführen gedenken.



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Den lyrischen Vortrag von Amanda Gorman habe ich ebenfalls weder gehört noch gesehen. Ihr Gedicht auch nicht gelesen. Deshalb kann, will und werde ich mir darüber kein Urteil bilden. Wenn aber Menschen glauben, nur ein paar Seufzer in den luftleeren Blubberblasen ihrer Asozialen Medien reichen aus, um anderen vorzuschreiben, dass sie einen Job nicht tun dürfen, weil sie die falsche Hautfarbe haben, dann ist es schlicht und ergreifend unglaubwürdig vorzuheucheln, eigentlich gegen Rassismus zu sein. Wer rassistisch gegen Rassismus vorgeht, ist nicht gegen Rassismus und bleibt Rassist. Vor allem ist es von frappierender Naivität zu glauben, das böse System sei zu ändern, indem man die Mechanismen eben dieses zu bekämpfenden Systems übernimmt.



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Wenn in diesem System künftig nur noch erlaubt sein wird, dass wir Literatur nur noch nach dem persönlichen Erfahrungswert übersetzen, dann gilt dies auch fürs Schreiben. Dann proklamieren wir zwar einmal mehr lautstark und weinerlich das fragmentierte Selbst des postmodernen Menschen, aber gleichzeitig töten wir Literatur. Dann schreiben nur noch Opfer rassistischer Erfahrungen für Opfer rassistischer Erfahrungen. Dann schreiben nur noch Opfer sexistischer Erfahrungen für Opfer sexistischer Erfahrungen. Dann schreiben nur noch Katholiken für Katholiken. Dann schreiben nur noch Moslems für Moslems. Dann schreiben nur noch Frauen für Frauen. Dann schreiben nur noch Männer für Männer. Dann schreiben nur noch Europäer für Europäer. Dann sortieren



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wir alle Historischen Romane aus. Oder am besten verbieten wir sie gleich. Dann sperren wir alle Krimi-Autorinnen und Autoren wegen ihrer Verbrechen ein. Dann verbieten wir die Klassikerinnen und Klassiker der Antike. Denn niemand von uns hat Platons Kugelmenschen je gesehen.

Was mich aber am meisten an dieser Debatte stört, ist die manische Fixierung der Cancel Culture Kriegerinnen und Krieger darauf, Menschen in ihrer Opferrolle einzuzementieren. Ja, wir müssen Menschen eine Stimme geben, die keine Stimme haben. Wann und wo wir können. Wieder und wieder. Damit sie ihre eigene Stimme für sich selbst erheben können. Wenn ich dafür aber nichts anderes zutage fördere als andere Stimmen, deren Hautfarbe, Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung,



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geschlechtliche Identität oder Genitalien mir nicht passen, zum Schweigen zu bringen, dann vollführe ich genau das, was eben jenen Menschen ohne Stimme widerfahren ist. Und wenn ich dabei diesen Menschen wieder und wieder ins Gesicht brülle, dass sie Opfer sind und auch immer Opfer bleiben werden, liegt mir nichts daran, die Stimmen dieser Menschen zu stärken. Vielmehr wünsch ich mir nur einen möglichst lauten Applaus, was für ein toller Aktivist ich bin. Und das hat mit dem Kampf gegen Unrecht nichts zu tun.

Ich erlaube mir auch deshalb eine kleine Reflexion zu diesem Thema, weil ich meine Erfahrung damit habe, keine Stimme gehabt zu haben. Ich wurde in den 1970er Jahren in einem sehr konservativen Eck eines sehr konservativen



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Landes geboren. Wo es kein leichtes Unterfangen war ein selbstbewusster freier schwuler Mann zu werden. Wo auch immer ich hinkam, wurde meine Existenz in ihrer Gesamtheit letztlich ignoriert. Von meiner Verwandtschaft, von meiner Schule, von den Medien, von der Kultur, von der Politik, vom Gesetz. Es war mir nicht erlaubt, vorhanden zu sein. Bis ich zu lernen begann, dass mein Empfinden für meine Identität nur aus mir selbst zu wachsen vermochte. Nicht aus der Meinung anderer über mich. Auch nicht aus der Meinung sogenannt linker politischer Parteien, die ich lange unterstützt habe und die dennoch immer wieder mit Schwulenhassern Koalitionen eingehen. Die ich demgemäß auch nicht mehr unterstützen werde.



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Eine der wichtigsten Hilfen auf meinem Weg war die Literatur. Ich las etwa Bücher des von mir sehr verehrten James Baldwins und erkannte: Wenn ein schwuler Afro-Amerikaner in den 1950er Jahren in seinem brillanten Roman „Giovannis Zimmer“ die tragische Liebesgeschichte eines weißen Schwulen erzählen und publizieren konnte, dann konnte und kann auch ich meine eigene Geschichte finden. Eine Geschichte, die nicht länger nur vom Überleben erzählt. Sondern vom Leben. Die Geschichte über ein Leben, in dem es eben nicht darum geht, dass nur eine Form der Liebe erlaubt ist. Das gilt aber dann sowohl für die eine als auch die andere Liebe. Und die vielen, vielen weiteren Formen der Liebe. Wichtig ist nur, dass wir die Liebe feiern. Und uns nicht ständig mit einer Spaltung selbst befriedigen, die andere uns aufoktroyieren, damit wir mit dem Streiten beschäftigt sind. Während sie tun können, was sie wollen.



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Inzwischen habe ich einen Roman über eine große schwule Liebesgeschichte verfasst („Helden für immer“, Querverlag). Die Tatsache, dass ich selbst schwul bin, ist hier natürlich nicht unwichtig. Ich kenne Stigmatisierung und Ausgrenzung. Ich kenne sie gut. Ich habe jede „schwule Sau“, „Schwuchtel!“ und all die anderen Schimpfwörter, die ich in meinem Leben gehört habe noch immer im Ohr. Ich wurde beschimpft, bedroht, angespuckt und wieder und wieder entwürdigt. Und deshalb bin ich stolz darauf, dennoch ein glücklicher Mensch geworden zu sein. Ich habe diese Geschichte aber nicht erzählt, um mich auf einem Podest aufzuplustern, damit die Welt mir auf ewig kundtut, was ich doch für ein ach gar armes Opfer sei. Ich habe diese Liebesgeschichte vor allen Dingen erzählt, weil ich meiner lebenslangen Sehnsucht nach emotionaler Authentizität literarisch Ausdruck verleihen wollte.



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Ich wollte Menschen damit berühren. Wenn ich an die vielen Reaktionen aus dem Publikum bei meinen Lesungen denke, dann weiß ich auch, dass mir das gelungen ist. Als ich dann 2019 auf der Leipziger Buchmesse neben zahlreichen Liebesromanen über heterosexuelle Paare für den Delia Literaturpreis nominiert wurde („bester deutschsprachiger Liebesroman“), wusste ich, dass mir geglückt ist, was ich mit diesem Buch im Sinn hatte. Ich wollte die Liebe zwischen zwei Männern als der Liebe zwischen Mann und Frau ebenbürtig erzählen. Wenn nun irgendwann mein nächster Traum in Erfüllung geht und mein Roman in eine andere Sprache übersetzt werden sollte, dann sehe ich nicht ein, dass dies erst erfolgen darf, wenn wir in einem faschistoiden Kreuzverhör herausfinden,



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ob der Übersetzer auch wirklich schwul ist. Ich will, dass mein Buch möglichst viele Menschen erreicht und nicht, dass der Übersetzer mir seine sexuelle Orientierung beweist.

Diese dumpfe Instrumentalisierung von Literatur durch Mechanismen eines Systems, das man zu überwinden vorheuchelt, ist eine Verhöhnung aller, die Bücher schreiben und aller Leserinnen und Leser, deren Empathie durch Literatur angeregt wird. Vor allen Dingen ist es eine Sackgasse zu glauben, etwas abzuschaffen, indem wir tun, was wir abzuschaffen gedenken. Ich will nicht, dass meine Literatur zu einem Instrument gemacht wird, um Menschen zu stigmatisieren. Ich freue mich, wenn heterosexuelle Menschen Freude mit meinem Buch haben. Ich freue mich,



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wenn konservative Zuhörerinnen und Zuhörer auf mich zukommen und mir kleinlaut sagen, dass sie dieses Thema noch nie aus diesem Blickwinkel betrachtet haben. Es ist nicht meine Aufgabe, die ideologischen feuchten Träume einiger Cancel Culture Kriegerinnen und Krieger zu befriedigen. Es ist meine Aufgabe, Geschichten zu erzählen, die Menschen berühren. Wem meine Geschichten nicht gefallen, darf mir das immer gerne sagen. Wem meine Hautfarbe, mein Geschlecht, meine sexuelle Orientierung, mein Atheismus oder meine Frisur nicht gefällt, darf sich getrost in seiner heißluftigen Blubberblase an seine eigene reaktionäre Verbohrtheit kuscheln.














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